Die richtige Ernährung | Im Interview mit Lydia Knauer

Lydia Knauer hat Ernährungswissenschaften im Bereich der klinischen Ernährung, sowie Biologie studiert. Als Diätassistentin betreut sie komplexe Patienten-Fälle, unter anderem auch Lymphompatienten.

Liebe Frau Knauer, Sie werden zukünftig stets ein Auge auf unsere Rubrik zum Thema „Ernährung“ auf leben-mit-lymphom.de haben und uns mit Ihrem Fachwissen unterstützen. Welche Erfahrungen bringen Sie in Bezug auf die Ernährungsberatung bei Lymphompatienten mit?

Durch meine berufliche Laufbahn habe ich viele individuelle Behandlungen von Lymphompatienten betreut. Ich habe viele Jahre in der Ernährungsmedizin der Uniklinik Münster gearbeitet, wo ich Patienten vor, während und nach ihrer Krebstherapie begleitet habe. Da habe ich gemerkt, dass eine gute Ernährungsberatung bereits vor der Behandlung vorhanden sein und sich im Idealfall bis zur Genesung erstrecken sollte. Bei jedem Patienten sollte bei der Therapie jedoch auf die individuellen Umstände geachtet werden.

Das Motto unserer Kampagne lautet „Informationen geben Stärke“ – was bedeutet das für Sie? Inwiefern können Informationen Lymphompatienten Stärke geben?

Eine Ernährung kann prinzipiell nicht heilen, aber sie kann auf jeden Fall einen Beitrag zum Therapieerfolg leisten und auch die Lebensqualität verbessern. In schwierigen Therapie-Phasen haben Patienten oftmals das Gefühl, der Krankheit ausgeliefert zu sein. Diesem Gefühl kann man entgegenwirken, wenn die Patienten gut informiert sind und sich selbst um ihre Ernährung kümmern können.

Gibt es „DIE richtige Ernährung“ bei einem Leben mit Lymphom?

Ähnlich wie bei gesunden Menschen sollte man darauf achten, dass die Ernährung vollwertig und ausgewogen ist. Die „eine“ Lymphom-Diät gibt es nicht. Essen sollte man nicht nur zur Nährstoffaufnahme – Genuss und Lebensqualität sind genauso wichtig. Auch Lymphompatienten können das essen, worauf sie Hunger und Lust haben und sollten darauf achten, dass ihr Energiebedarf gedeckt wird. Sonst kommt es schnell zu Gewichtsverlust und dadurch zu Schwäche und Müdigkeit. In einen ausgewogenen Einkaufswagen gehören deswegen genügend eiweißreiche Produkte, wie z.B. Fleisch, Fisch oder Milchprodukte und Hülsenfrüchte, die zur Erhaltung der Muskelmasse beitragen. Außerdem dürfen frisches Obst und Gemüse nicht fehlen, genauso wie Kohlenhydrate, also beispielsweise Brot, Reis oder Nudeln, am besten in der Vollkornvariante. Auch kleine Portionen Süßigkeiten und Knabbereien sind erlaubt  – solange sie in Maßen gegessen werden.

Jeder nascht zwischendurch doch gern – was sind Ihre liebsten, gesunden Snacks?

Jetzt im Sommer ist es natürlich schön, auf die Obstvarianten zurückzugreifen, gerade wenn die Erdbeersaison beginnt. Wenn wirklich absoluter Heißhunger auf Schokolade besteht, greife ich z. B. auf Zartbitterschokolade zurück. Wenn es aber wirklich die Vollmilchschokolade sein soll, sollte man sich hier keine Verbote setzen, sondern mit Genuss kleine Portionen essen.

Oft hören Betroffene gegenteilige Information darüber, was besonders gesund oder ungesund sein soll. Auch unter Experten scheiden sich manchmal die Geister. Wie gehen Sie mit den vielen, ständig neuen Erkenntnissen über „gesunde Ernährung“ um?

Aufgrund meiner wissenschaftlichen Ausbildung sehe ich mir ganz gezielt Studien an. Solange keine fundierte Datenlage herrscht, wenn also z. B. zu wenige Teilnehmer an einer Studie mitgewirkt haben,  werde ich auch keine Empfehlung abgeben. Ich bin selbst Mitglied in ernährungsmedizinischen Verbänden und Gesellschaften, lese regelmäßig Fachzeitschriften und halte mich an die Leitlinien, die diese Gesellschaften herausgeben, da diese streng wissenschaftlich geprüft sind. Insgesamt ist es wichtig, auf die richtigen Fachleute im Bereich Ernährung zuzugehen, die gezieltes Fachwissen haben.

 

Hand aufs Herz – auf einer Skala von 1-10, wie gesund ernähren Sie sich selbst im Alltag?

Ich würde mir eine Neun wünschen, aber bin persönlich eher bei einer Sieben. Da ich wegen meines Jobs viel unterwegs bin, versuche ich frische Snacks mitzunehmen, wie z. B. Gurken-Sticks oder Tomaten. Das gelingt mir natürlich nicht immer. Dann greife ich zu einfachen oder schnellen Speisen. Wenn ich am Tag nicht genug esse, kommt abends schon mal der Heißhunger. Am Wochenende versuche ich dann frisch und ausgewogen zu kochen und auch beim Einkauf darauf zu achten, dass es saisonal und regional ist.

Vielen Dank!