Teilnahme an Therapiestudien: Vorteil oder Versuchskaninchen?

Von ihrer Freundin hat Marie S. den Rat erhalten, doch zu versuchen, an einer Medikamentenprüfung teilzunehmen. Marie S. wehrte zunächst ab aus Sorge, damit
zu einem Versuchskaninchen in der Medizin zu werden. In einem längeren Gespräch erklärte ihr die Freundin, die als Krankenschwester im benachbarten Ort tätig ist,
dass dies ein Irrglaube ist. „Im Gegenteil: Du bekommst die Chance auf eine neue, vielleicht noch viel besser wirksame Behandlung“, erklärte die junge Frau. Auch die Sorgen der Brustkrebspatientin, damit ein noch unerprobtes Verfahren zu erhalten und vielleicht massive Nebenwirkungen zu entwickeln, zerstreute die Freundin: „Du wirst während der Studie sehr gut von den Ärzten überwacht und bekommst mehr Kontrolluntersuchungen als bei der normalen Behandlung“. Marie S. erkundigte sich anschließend bei ihrem Arzt, ob in ihrem Fall die Teilnahme an einer Therapiestudie möglich sei. Allerdings gab es aktuell keine Studie, in der eine neue Behandlungsoption, die für die junge Frau passend gewesen wäre, geprüft wurde.

Therapiestudie

Lange wurde kritisiert, dass neue Behandlungsmöglichkeiten immer nur bei jungen Menschen erprobt werden. Es ist fraglich, wieweit die Ergebnisse solcher Studien auf die Situation des alternden Organismus übertragen werden können. Vor allem in der Krebsmedizin wird deshalb immer häufiger auch älteren Menschen die Teilnahme an einer Therapiestudie angeboten.

Die Teilnahme an einer Medikamentenprüfung ist für die Betroffenen mit keinen Nachteilen verbunden. Im Gegenteil: Sie hat in aller Regel sogar Vorteile. Man braucht als Studienteilnehmer keine Sorge zu haben, als Versuchskaninchen zu dienen. Klinische Studien werden sehr gut überwacht und das nicht nur durch Ärzte und Wissenschaftler, sondern auch durch sogenannte Ethikkommissionen, die die Studien genehmigen müssen.

Durch die Teilnahme an einer Studie haben die Betroffenen eine gute Chance, in den Genuss einer besonders fortschrittlichen Behandlung zu kommen. Üblicherweise werden bei klinischen Studien zwei gleich große Patientengruppen gebildet, von denen eine das zu prüfende Präparat oder das neue Behandlungsschema erhält, und die zweite Gruppe die bisher übliche Standardbehandlung. Die Chance, die fortschrittliche Behandlung zu bekommen, liegt somit bei 50 : 50. Doch auch wer nicht in die Prüfgruppe gelangt, hat keine Heilungschancen vertan, weil er den bis dato gültigen Therapiestandard erhält, also die für den jeweiligen Tumor beste bekannte Therapieoption.

Wer sich zur Teilnahme entschließt, wird automatisch besonders gut hinsichtlich seiner Erkrankung überwacht. Es wird sehr genau kontrolliert, wie der Tumor sich verhält. Ein besonderes Augenmerk gilt den Nebenwirkungen der Behandlung. Daher werden häufiger als sonst üblich Blutuntersuchungen durchgeführt, was nicht zuletzt auch die Sicherheit der Patienten steigert, da gegebenenfalls sehr rasch mit einer Dosisreduktion der eingesetzten Medikamente reagiert werden kann.

Nicht immer werden Krebspatienten von ihrem Arzt auf die Möglichkeit der Teilnahme an einer klinischen Studie direkt angesprochen. Es kann deshalb sinnvoll sein, selbst aktiv zu werden und bei seinem Arzt nachzufragen, ob es entsprechende Projekte in der Umgebung gibt und ob man als Teilnehmer an einer Therapiestudie möglicherweise in Frage kommt.

Lesen Sie mehr in unserer Broschüre "Hilfen für Arbeitnehmer in der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung".

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Quelle: N. Bauschert, M. Welp, C. Vetter, Hilfen für Arbeitnehmer in der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung (Broschürenreihe Den Alltag trotz Krebs bewältigen), Herausgeber: Roche Pharma AG, © WORTREICH GIK mbH, 15. Auflage 2018.