Was bei Überforderung hilft

Die Diagnose Krebs löst bei Betroffenen und Angehörigen immer eine Reihe von Sorgen aus. Da sind zum Beispiel ganz existenzielle Sorgen: Ist der Hauptverdiener erkrankt, muss der Partner eventuell plötzlich mehr arbeiten, um den Lebensunterhalt zu sichern oder beide müssen finanziell kürzer treten. Berufliche Einschränkungen können beängstigend sein und die Zukunft scheint beiden ungewiss.

Aber auch soziale Sorgen sind belastend: Vielleicht merken Sie, dass sich Bekannte zurückziehen oder im Umgang mit Ihnen gehemmt sind. Der pflegende Partner koordiniert oft die sozialen Kontakte für beide. Er pflegt Freundschaften, organisiert Alltag und Aktivitäten und übernimmt Verantwortung in der Kommunikation mit Ärzten und medizinischen Diensten.

Körperliche Auswirkungen einer Überforderung

Angesichts dieser vielfältigen Belastungen können Betroffene rasch überfordert sein. Der Körper reagiert eventuell mit Bluthochdruck, Schlaflosigkeit, Schwindelgefühl oder Herzrasen. Auch beim Partner kann die Mehrfachbelastung häufig auch zu ungesunden Verhaltensweisen wie Bewegungsmangel führen.

 

Beide Partner sind von der Krebserkrankung betroffen

Achten Sie als Patient auch darauf, wie es Ihrem Partner geht. Besprechen Sie offen Ihre Ängste und Sorgen. Machen Sie Ihrem Partner klar, dass Sie nicht erwarten, dass er rund um die Uhr für Sie da ist. Vielleicht gibt es im Freundeskreis Menschen, die Ihnen kleinere Dinge abnehmen können: zum Beispiel einen Einkauf oder eine Fahrt zum Arzt.

Ihr Partner hat meist wenig Gelegenheit, über seine Sorgen und Nöte zu sprechen, da zunächst immer Sie als Patient im Fokus der Aufmerksamkeit stehen. Schnell stellen sich beim pflegenden Partner auch Schuldgefühle ein, nicht alles für Sie leisten zu können. Das Gefühl, mit Liebe und Hinwendung müsse man den Krebs und Begleiterscheinungen wie Fatigue und depressive Verstimmungen besiegen können, ist in vielen Partnerbeziehungen fest verankert. Patienten ihrerseits haben häufig Schuldgefühle, Ihrem Partner zur Last zu fallen. Versuchen Sie nicht, ihm vorzumachen, es ginge Ihnen besser, nur um ihn zu schonen. Seien Sie ehrlich miteinander und gehen Sie sensibel und verständnisvoll miteinander um.

 

Gönnen Sie Ihren Partner Auszeiten und Freiräume

Für viele Patienten ist der Partner die wichtigste Stütze. Haben Sie Verständnis für Ihren Partner, wenn er auch mal seinen Interessen nachgehen möchte. Wenn er rund um die Uhr für Sie da ist, ist es wichtig für ihn, sich Auszeiten nehmen, in denen er auf andere Gedanken kommt. Ein Treffen mit gemeinsamen Freunden bringt auch neue Impulse und Gedanken in den gemeinsamen Alltag. Das tut beiden Partnern und Ihrer Beziehung gut.

 

Ihr Team braucht Hilfe – Suchen Sie sich einen Coach

Machen Sie sich klar, dass Ihr Partner und Sie als Team Hilfe in Anspruch nehmen können. Oft sind gute Gespräche mit Außenstehenden wichtige Momente, die Sie und Ihren Partner entlasten können. Oder Sie suchen sich professionelle Hilfe. Auch Selbsthilfegruppen für Patienten und Angehörige können ein wichtiger Ausgleich sein und wertvolle Anregungen geben. Sie haben in der Regel viel Erfahrung, die sie gerne weitergeben. Auch Klinikberatungsstellen sind Anlaufstellen, die Ihnen weiterhelfen. Der psychoonkologische Dienst ist nicht nur für den Patienten da, sondern auch für Angehörige. Er ist in der Regel kostenlos und wird zum Beispiel in von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierten Krebskliniken oder auch in Rehabilitationskliniken angeboten. Adressen finden Sie beim Krebsinformationsdienst.

Informieren Sie sich bei Bedarf auch über Hilfs- und Pflegedienste. Sie haben unter Umständen einen Anspruch auf häusliche Krankenpflege. Die Krankenkasse müssen Sie immer bei der Klärung eventueller Ansprüche einbeziehen. Da bei der häuslichen Pflege viele Dienstleister Hand in Hand arbeiten, ist es sinnvoll, sich beim Antrag professionell helfen zu lassen. Wenden Sie sich zum Beispiel an den Kliniksozialdienst. Er ermittelt, welche Ansprüche bestehen und hilft auch bei der Antragstellung.

 

Quellen

Ernst J et al. Stigmatisierende Einstellungen gegenüber Krebspatienten – Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung. Psychother Psych Med. 2017;67(7):304-11.

https://static-content.springer.com/pdf

https://www.krebsinformationsdienst.de/leben/krankheitsverarbeitung/angehoerige.php