Wissenswertes

In dieser Rubrik erhalten Sie wertvolle Informationen rund um die drei Indikationen der Kampagne "Leben mit Lymphom": die chronische lymphatische Leukämie, das diffuse großzellige B-Zell-Lymphom und das follikuläre Lymphom.   

Entwicklung und Herstellung der Antikörper-Medikamente

Die Antikörpertherapie hat sich als wirksame Therapie des Lymphoms etabliert. Inzwischen sind nicht nur die Original-Antikörper, sondern auch biosimilare Antikörper zur Anwendung zugelassen. Doch was bedeutet „biosimilar“ überhaupt? Und wie unterscheiden sich die Originale von den biosimilaren Antikörpern?

Alle Medikamente zur Antikörpertherapie zählen zu den Biologika. Diese sind künstlich hergestellte Eiweißsubstanzen, die sich gegen bestimmte Botenstoffe im Körper richten. Antikörper sind demnach Eiweiße, deren Herstellungsprozess sehr aufwendig ist. Schließlich müssen die Antikörper so gestaltet sein, dass sie einerseits mit den natürlichen Körperzellen zusammenarbeiten und andererseits die Krebszellen erkennen und ausschalten

Biosimilare Antikörper: Ähnlich aber nicht gleich

Da die Entwicklung sehr aufwändig und teuer ist, können die Unternehmen ihr Antikörpermedikament für eine gewisse Zeit durch ein Patent schützen. Läuft dieser Patentschutz aus, dürfen andere Firmen den Antikörper nachbauen. Wenn nachgewiesen ist, dass der neue Antikörper dem Original in Sicherheit und Wirksamkeit ähnelt, darf er als sogenannter biosimilarer Antikörper („similar“= engl. für „ähnlich“) mit demselben Wirkstoffnamen, aber anderem Handelsnamen verkauft werden. Da die beiden Antikörper nur ähnlich, jedoch nicht gleich sind, ist es für Ärzte und Patienten wichtig, beide Namen zu kennen. So können auch Nebenwirkungen dem richtigen Medikament zugeordnet werden.

Warum gibt es biosimilare Antikörper?

Biosimilare Antikörper können oft günstiger angeboten werden als das Original-Biologikum. Das liegt daran, dass den Originalherstellern hohe Kosten für die Erfindung des Antikörpers und die aufwändigen Studien zur Wirksamkeit und Sicherheit entstehen. Einen ähnlichen Wirkstoff nachzubauen und eine Ähnlichkeit nachzuweisen, spart somit Zeit und Geld. Man hofft, durch Nachahmerprodukte die Kosten für Biologika zu senken, um das Gesundheitssystem zu entlasten. Allerdings dürfen bei den Biologika, anders als bei anderen Medikamenten, nicht einfach günstigere Alternativen verschrieben werden – schließlich kann sich die Wirkung trotz des gleichen Wirkstoffnamens unterscheiden.

Weitere anschaulich aufbereitete Informationen zu biosimilaren Antikörpertherapien bietet Ihnen das Video „Therapeutische Antikörper in der Entwicklung“.

Das Vertrauen in den Arzt stärken

Das Gespräch mit dem Arzt stellt viele Lymphompatienten vor eine Herausforderung. Oft benötigen sie Zeit, um sich dem Arzt anzuvertrauen und Zeit ist häufig ein knappes „Gut“. Um zu einem effektiven Gesprächsergebnis zu gelangen, tragen viele verschiedene Faktoren bei. Dazu gehören unter anderem, ob alle Fragen des Patienten beantwortet wurden. Denn ein gutes Gespräch ist maßgeblich für eine vertrauensvolle Arzt-Patienten-Beziehung. 

Für den Arzt gehören Gespräche über Diagnose und Therapien bei Lymphomen zum Arbeitsalltag. Bei Patienten sieht das anders aus: Gerade, wenn es um die Klärung von Unsicherheiten geht, reagiert jeder Patient mit anderen Erwartungen, Zielen und Absichten. Der Arzt muss sich demnach bei jedem Gespräch auf die individuelle Vorstellung und Realität des jeweiligen Patienten einstellen. Was das genau für Sie bedeutet und welchen Standpunkt der Arzt möglicherweise wie und warum vertritt, wird im Folgenden näher beleuchtet.   
 

1. Offenheit ist das A und O!

Wenn Ihnen als Patient eine ganzheitliche Ärztesicht auf Ihre Erkrankung wichtig ist und Sie eine Basis für einen vertrauensvollen Umgang erreichen möchten, sollten Sie sich eines bewusst machen: Seien Sie möglichst offen. Informieren Sie Ihren Arzt über Ihre Gewohnheiten, Lasten, aber vor allem auch Medikamenteneinnahmen, auch in Bezug auf homöopathische oder pflanzliche Präparate. Diese können durch Wechselwirkungen erheblichen Einfluss auf den Krankheitsverlauf nehmen. 

2. Es gibt keine dummen Fragen!

Selbst bei Ängsten und Unsicherheiten – machen Sie sich vor dem Gespräch Gedanken über Ihre eigenen Bedürfnisse und Ziele und sprechen Sie Ihre Anliegen trotzdem an! Bedenken Sie, dass Ihnen eine Begleitperson möglicherweise mehr Sicherheit und Selbstvertrauen gibt, persönliche Dinge anzusprechen. Möglicherweise fällt Ihrer Begleitperson auch eine Frage ein, auf die Sie selbst nicht gekommen wären. 

3. Notizen zur Stütze!

Nervosität und die begrenzte Zeit beim Gespräch können dazu beitragen, dass man schnell hektisch wird, Informationen nicht richtig verarbeitet und Fragen vergisst, die man dringend stellen wollte. Abhilfe schafft hier ein Zettel mit notierten Fragen, die Sie in Ruhe vor dem Termin erstellen und die Ihnen eine Stütze ist. 

Klinische Studien

Gut sortiert zum Arzt

Seit kurzem steht Lymphom-Patienten ein Ordner zur Verfügung, in den Sie unter anderem Ihre persönlichen Arzt-Unterlagen einheften können. Neben Wissenswertem über die Erkrankung, Diagnose und Therapie von Lymphomen finden Sie darin auch Checklisten zur Vorbereitung auf den Arztbesuch. Somit haben Sie alle relevanten Dokumente beisammen. Fordern Sie den Ordner unter folgender E-Mail-Adresse kostenlos an: info@leben-mit-lymphom.de

„Watch and Wait“: Aktives Warten und Beobachten

Abhängig von Art und Stadium der Krebserkrankung findet bei geeigneten Patienten die Strategie „Watch and Wait“(engl. für beobachten und abwarten) Anwendung. Der behandelnde Arzt führt also regelmäßige Kontrollen durch, ohne den Patienten einer Behandlung zu unterziehen. Erst wenn die Erkrankung fortschreitet, verordnet er eine Therapie. Doch welche Lymphomarten sind für diese Strategie geeignet? Welche Möglichkeiten und Risiken sind damit verbunden?  

Die Behandlung eines Lymphoms ist immer von dessen Aggressivität abhängig. Bei aggressiven, schnell fortschreitenden Formen ist auch eine schnelle wirksame Therapie nötig. So ist zum Beispiel ein diffuses großzelliges B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom (DLBCL) für die „Watch and Wait“ Strategie völlig ungeeignet. Nur indolente, also langsam fortschreitende, Formen wie CLL und FL kommen dafür infrage. 

Möglicherweise schränkt diese Strategie aber die Lebensqualität ein. Für manche Patienten ist das scheinbare Nichtstun eine große psychische Belastung. Deshalb ist es am besten, wenn Arzt und Patienten die Entscheidung zur Behandlungsstrategie gemeinsam fällen. 

Bei der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) beginnt man fast immer zuerst mit der „Watch and Wait“ Strategie. Das liegt daran, dass anfänglich der Krebs nur langsam fortschreitet und es deshalb meist nicht zu Symptomen kommt. Man verzichtet hier also bewusst auf den Einsatz einer Therapie, um dem Patienten mögliche Nebenwirkungen der Lymphomtherapie zu ersparen. Erst dann, wenn Symptome auftauchen, oder das Lymphom beginnt schnell fortzuschreiten, greift man auf die typischen Behandlungsmöglichkeiten wie Antikörper- und Chemotherapie zurück.

Wann ist „Watch and Wait“ beim Follikulären Lymphom geeignet?

Bei Tumoren, die vom Typ zum Follikulären Lymphom (FL) gehören, hängt die gewählte Strategie zur Behandlung vom Stadium der Erkrankung ab. Auch das FL ist ein langsam fortschreitendes Lymphom. In frühen Stadien machen sich meist keine Symptome bemerkbar. Der Patient würde durch den Einsatz einer aggressiven Therapie stärker eingeschränkt werden, als durch die Erkrankung selbst. Deshalb findet auch hier häufig die „Watch and Wait“ Strategie, also abwarten und regelmäßige Kontrolle des Tumors, Anwendung.

In späteren Stadien des FLs sind mehrere Lymphknotenregionen vom Befall durch den Krebs betroffen. Dann wird eine aggressive Therapie nötig, um das Leben des Patienten zu erhalten. Der Nutzen der Therapie für den Patienten überwiegt in dem Fall die Gefahr der Nebenwirkungen. Eine früher einsetzende Behandlung verlängert jedoch nicht die Lebenszeit der Lymphompatienten, wie Studien zeigen.

Rehabilitation für Lymphompatienten

Eine Rehabilitation soll Patienten wieder in das Sozial- und Berufsleben eingliedern. Auch nach der Behandlung eines Lymphoms ist die Rehabilitation (kurz: Reha) ein wichtiger Schritt zurück in den Alltag. Doch wann und wo beantragen Sie als Lymphompatient eine Rehabilitation? Und müssen Sie dafür bestimmte Voraussetzungen erfüllen?  

Während und auch nach einer Krebserkrankung wie dem Lymphom haben Sie bestimmte Rechte als Patient: Dazu gehört, dass Sie an einer Reha teilnehmen können. Diese Reha bezeichnet man bei Krebserkrankungen auch als onkologische Nachsorgeleistung. Eine onkologische Nachsorgeleistung wird innerhalb eines Jahres nach der Erstbehandlung des Lymphoms durchgeführt und dauert in der Regel drei Wochen. Beginnt die Reha innerhalb von 2 Wochen (bei einer Strahlentherapie innerhalb von 6 Wochen) im Anschluss an die Erstbehandlung des Lymphoms, nennt man diese Maßnahme „Anschlussheilbehandlung“. 


Damit ein Versicherungsträger eine Rehabilitationsmaßnahme genehmigt, muss der betreffende Patient folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Die Diagnose einer bösartigen Geschwulst- oder Systemerkrankung liegt vor.
  • Die operative Behandlung und Strahlentherapie des Lymphoms müssen abgeschlossen sein. Eine Chemotherapie kann auch während der Reha noch weitergeführt werden.
  • Die Beeinträchtigungen im beruflichen, seelischen und körperlichen Bereich, die durch die Erkrankung oder deren Therapie entstanden sind, müssen therapierbar oder zumindest zu vermindern sein.
  • Ein Arzt muss den Patienten für belastbar genug einschätzen, um an allen Maßnahmen im Rahmen der Rehabilitation teilnehmen zu können.

Unterstützung und Hilfe finden: Durch die Reha zurück ins Leben

Lymphom-Patienten sollten eine Reha-Klinik auswählen, die auf ihre Lymphomtherapie spezialisiert ist. Denn während einer Reha gehen die Therapeuten individuell auf die Funktionen und Ressourcen des Patienten ein. Aber nicht nur die körperliche Funktionsfähigkeit steht dabei im Vordergrund. Eine Reha soll Lymphom-Patienten und deren Familien helfen, die Diagnose zu verarbeiten und einen Umgang mit der Erkrankung aufzeigen. Auch die Möglichkeiten, wie der Patient am besten wieder in seinen Beruf zurückkehrt, können ein Thema sein.

In vielen Fällen übernimmt die Rentenversicherung die Kosten für eine Rehabilitation. Dafür müssen aber bestimmte versicherungsrechtliche Voraussetzungen erfüllt werden. Auch andere Träger wie die Krankenkasse oder das Jugendamt können infrage kommen. Hilfe und Unterstützung bei der Antragsstellung bieten der Sozialdienst im Krankenhaus oder die Reha-Servicestellen. Bei Fragen werden diese Ihnen weitere Unterstützung geben.

Washabich.de

„Arzt-Patienten-Kommunikation auf Augenhöhe“ – diese Vision hatten die Entwickler von www.washabich.de, einem Internetportal zur Erklärung medizinischer Befunde. Nach fünf Jahren des Bestehens stellt die Plattform mehr als 27.000 medizinische Befunde vor, die in leicht verständliche Sprache übersetzt wurden.

Neben dem Studium oder Beruf engagieren sich Mediziner ehrenamtlich für das gemeinnützige Projekt. Patienten, die mit Befunden in Fachsprache überfordert sind, profitieren von der kostenlosen und anonymen Online-Plattform. Sie erhalten über die Informationen die Möglichkeit, Ihre Therapie bewusst mitzuentscheiden. Umgekehrt werden Ärzte für eine verständliche Kommunikation sensibilisiert und zu guten Kommunikatoren weitergebildet.

Was darf ich einreichen?
Wenn Sie als Patient Schwierigkeiten haben, Ihren Untersuchungsbefund zu verstehen, können Sie diesen sowie Arztbriefe oder einzelne Fachbegriffe den Medizinern vorlegen. Lediglich Gutachten sind von der Einreichung ausgeschlossen. Der Umfang des Dokuments darf nicht größer als zwei DIN-A4-Seiten betragen. Sollte Ihr Befund länger sein, können Sie die wichtigsten Stellen markieren. Auch wenn die Mediziner, die Ihre Unterlagen übersetzen, der Schweigepflicht unterliegen, sollten Sie persönliche Angaben auf Ihrem Dokument schwärzen.

Wie reiche ich meinen Befund ein?
Um einen Befund einreichen zu können, müssen Sie sich zunächst in das „virtuelle Wartezimmer“ setzen. Jeden Morgen ab 7 Uhr wird eine begrenzte Anzahl an Warteplätzen per E-Mail vergeben. Wenn Sie einen solchen Warteplatz bekommen haben, erhalten Sie innerhalb der nächsten Tage einen Link. Hierüber können Sie Ihr Dokument hochladen. Danach dauert es nur wenige Tage bis Sie Ihre Übersetzung erhalten. Die Initiatoren weisen auf der Internetseite darauf hin, dass die übersetzten Befunde nicht das Arztgespräch ersetzen und auch nicht als Zweitmeinung oder Therapieempfehlung zu werten sind.

DVD „Medikamentöse Krebstherapien“ erschienen