Körper und Psyche

Kraft schöpfen, sich seelisch sowie körperlich neu orientieren und wieder einen neuen Weg finden: In dieser Rubrik erhalten Sie Informationen und Tipps zum Umgang mit der Erkrankung.

Was ist mir wirklich wichtig?

Schön, wenn Leistungsfähigkeit und Kräfte nach der Krebstherapie zurückkehren. Doch erst eine gehörige Portion Lebensfreude bewirkt, dass wir uns glücklich und zufrieden fühlen, dass unser Leben wirklich „rund“ ist. Wie erreicht man das?

Hans-Dieter R. (DLBCL) erzählt, wie er damals und heute mit der Erkrankung umgeht

Susanne M. (FL) berichtet, wie sie trotz der Erkrankung positive Gedanken schöpft

Für viele Krebspatienten ist die Zeit der Therapie Anlass, über ihr Leben nachzudenken und sich Fragen wie diese zu stellen:

  • Habe ich mein ganzes Leben lang nur gearbeitet?
  • War ich in erster Linie für andere da und habe ich eigene Bedürfnisse oft zurückgestellt?
  • Was ist mir wirklich wichtig?
  • Welche Kontakte und Hobbys habe ich aus Zeitmangel vernachlässigt?

Hans-Dieter R. betont, was sich in seinem Leben durch die Erkrankung verändert hat

Martin S. (CLL) gibt in diesem Filmeinspieler Tipps zum Umgang mit der Erkrankung 

Schon früh haben wir gelernt, dass zuerst die Arbeit und dann das Vergnügen kommt. Als viel beschäftigte Menschen möchten wir im Beruf und in der Familie eine Stütze sein und rund um die Uhr „funktionieren“. Viele Menschen sind so mit ihren Alltagspflichten beschäftigt, dass sie nach und nach das Gefühl für sich selbst verlieren und nicht mehr wissen, was sie wirklich froh macht. Eine schwere Erkrankung kann Anlass sein, Bilanz zu ziehen und sich neu zu orientieren. Denken Sie einmal darüber nach, aus welchen Bereichen Sie am meisten Freude schöpfen: Familie, Freunde, Beruf, Hobbys?

Notieren Sie sich, was Ihnen Spaß macht: mit Freunden kochen, malen, Ihre Lieblingszeitschrift lesen, Musik hören, Kinder beim Spielen beobachten, Walken mit der Sportgruppe, Fotografieren, die Wohnung verschönern, sich ein Bad mit einem angenehm duftenden Zusatz gönnen, ins Kino gehen, Reisen, Kontakte pflegen, eine Fremdsprache lernen, Klavier spielen ... Schreiben Sie auf, was bisher zu kurz gekommen ist und wie und mit wem Sie in Zukunft Ihre Zeit verbringen möchten. Die Liste dieser angenehmen Tätigkeiten kann Ihnen eine Hilfe sein, wenn es Ihnen einmal nicht so gut geht und Sie eine Aufmunterung benötigen. Gönnen Sie sich jeden Tag ein „kleines Glück“.

Negative Faktoren ausschalten

Überlegen Sie auch, was Ihnen die Stimmung verdirbt: Streit, Schlafmangel, Zeitnot, Stress, lästige Hausarbeit, Langeweile, Einsamkeit, schwierige Entscheidungen, die anstehen? Einige dieser „Stimmungskiller“ können Sie ausschalten, indem Sie z. B. genügend Zeit einplanen, sich Hilfe holen oder für eine gute Organisation sorgen. Lästige Arbeiten, die Sie erledigen müssen, sollten Sie sich so angenehm wie möglich gestalten und sich anschließend belohnen.

Was ist gut gelaufen?

Krebs betrifft auch die Seele

Bei einer Krebserkrankung steht die medizinische Behandlung im Vordergrund. Dies ist wichtig, damit Sie und Ihr Arzt einen größtmöglichen Behandlungserfolg erzielen. Doch die Erkrankung hat auch Auswirkungen auf die Psyche. Verständlicherweise reagieren viele Patienten auf die Diagnose mit Sorgen und Ängsten. Wie geht es für mich weiter, werde ich wieder gesund? Wie und wann erzähle ich meinen Angehörigen und Freunden von der Erkrankung? Kann ich weiter arbeiten gehen, und falls nicht: Was bedeutet dies für mein Selbstbewusstsein und meine finanzielle Situation? Dies sind nur einige Fragen, die Krebspatienten beschäftigen. Vielleicht haben Sie sich diese Fragen auch schon gestellt, vielleicht beschäftigen Sie ganz andere Dinge. Möglicherweise möchten Sie Ihr Umfeld mit solchen Sorgen nicht belasten. Es ist jedoch wichtig, sich in einer solchen Situation jemandem anvertrauen zu können. Daher kann es hilfreich sein, sich als Patient, aber auch als Angehöriger, an eine neutrale Person zu wenden. Diese kann helfen, einen Weg zu finden, um die schwierige Zeit zu bewältigen. Speziell ausgebildete Psychoonkologen sind hier eine professionelle Anlaufstelle.

Wie ein Psychoonkologe Ihnen helfen kann

Psychoonkologen sind Psychotherapeuten, das heißt sie haben entweder ein medizinisches oder psychosoziales, beziehungsweise pädagogisches Studium absolviert. Darüber hinaus verfügen sie über eine spezielle Zusatzausbildung im Bereich der Begleittherapie einer Krebserkrankung. Sie unterstützen bei der Verarbeitung und Bewältigung von psychischen Belastungen, die im Rahmen der Erkrankung auftreten können. In welchem Umfang Sie sich von einem Psychoonkologen begleiten lassen möchten, hängt von Ihrer Situation und Ihren Wünschen ab. Häufig verfügen Kliniken über psychoonkologische Dienste, die nicht nur eine erste kurzfristige Anlaufstelle sind, sondern auch Informationsveranstaltungen, Gesprächsgruppen oder Kurse anbieten. Gleiches gilt für Krebsberatungsstellen. Wenn Sie psychisch sehr stark unter Ihrer Erkrankung leiden oder einfach sehr viele Aspekte zur Belastung werden, kann eine Psychotherapie für Sie der richtige Weg zur Bewältigung sein. Diese umfasst regelmäßige Gesprächstermine und bietet somit die Möglichkeit, auch grundlegende Lebensfragen anzusprechen. Besprechen Sie mit Ihrem Psychoonkologen, ob Sie von einer solchen Therapie profitieren können.

Eine psychoonkologische Betreuung leistet auch Unterstützung bei der Entwicklung und Umsetzung neuer Pläne und Perspektiven. Nicht zuletzt hilft sie auch in sozialrechtlichen Fragen, etwa im Zusammenhang mit Ihrer Berufstätigkeit oder dem Wiedereinstieg in den Beruf. Der Psychoonkologe agiert also als Begleiter des gesamten Erkrankungsprozesses von der Diagnose bis zum Leben und Umgang mit Krebs – sowohl für Sie, als auch für Ihre Angehörigen.

Wie Susanne M. das Angebot an Psychoonkologen empfindet, erzählt sie im folgenden Video

Fragen, bei denen die Psychoonkologie hilft

Wenn Sie die folgenden Fragen oder ähnliche Aspekte beschäftigen, kann eine psychoonkologische Beratung Ihnen vielleicht guttun und weiterhelfen.

  • Wie kann ich den Schock der Krebsdiagnose verkraften?
  • Wie kann ich neue Kraft schöpfen?
  • Wann und wie soll ich meiner Familie / meinen Freunden von der Erkrankung erzählen?
  • Soll ich meinen Arbeitgeber informieren?
  • Wer hilft mir im Alltag, wenn es mir nicht gut geht?
  • Stehen mir Sozialleistungen zu? Kann ich wieder in den Beruf einsteigen?

Das können Sie für sich selbst tun

Die Diagnose „Krebs“ bringt bei vielen Betroffenen die gesamte Lebensplanung durcheinander – nichts ist mehr so, wie es früher war. Die bedrohliche Diagnose seelisch zu verarbeiten, ist mindestens genauso anstrengend wie die medizinische Krebstherapie.

Wenn Sie die Akuttherapie gerade hinter sich haben oder sich noch in Behandlung befinden, ist es wichtig, dass Sie liebevoll mit Ihrem Körper und Ihrer Seele umgehen, um wieder Mut und Kraft zu schöpfen. Sie können eine ganze Menge für sich selbst tun!

Susanne M. erzählt in dem Filmeinspieler, was ihr im Umgang mit der Erkrankung geholfen hat

Sport und Bewegung

Ihre Lymphomerkrankung wurde erfolgreich behandelt. Nun wollen Sie sich bestimmt wieder etwas Gutes tun, das Vertrauen in Ihren Körper zurückgewinnen, zu mehr Ausgeglichenheit gelangen – einfach wieder zurück ins Leben finden. Was liegt da näher, als wieder etwas Bewegung in den Alltag einzubauen? Die Vorteile liegen auf der Hand: Bewegung und Sport stärken das Immunsystem, schenken mehr Selbstvertrauen und tun der Seele gut. Dies gilt vor allem, wenn Sie sich an der frischen Luft bewegen, am besten zusammen mit Freunden. Vielleicht schließen Sie sich auch einer Gruppe von Gleichgesinnten an, etwa zum gemeinsamen Walking. Andere Sportarten, die sich für den (Wieder-)Einstieg besonders eignen, sind Wandern, Schwimmen und leichte Gymnastik. Vielleicht können Sie sich ja sogar für Wassergymnastik begeistern.

Probieren Sie aus, was Ihnen guttut und woran Sie Spaß haben. Wenn Sie vor Ihrer Erkrankung nicht sehr aktiv waren, sollten Sie zunächst Ihren Arzt fragen, welches Bewegungsprogramm er in Ihrem Fall empfiehlt. Waren Sie jedoch eher sportlich, können Sie nach Rücksprache mit Ihrem Arzt wieder Ihre Lieblingssportart ausüben – vorausgesetzt, Sie haben die Therapie in guter Verfassung abgeschlossen. Doch auch in diesem Fall sollten Sie mit moderatem Training beginnen und die Belastung langsam steigern. Der Abschluss Ihrer Therapie und der Wiedereinstieg in ein aktives Leben bietet vielleicht auch eine gute Gelegenheit, neue Sport- und Bewegungsmöglichkeiten auszuprobieren. Vielleicht haben Sie während der Therapie andere Patienten kennengelernt und Lust, zusammen aktiv zu werden. Das erhöht die Motivation und den Spaß an der Bewegung. Und das ist schließlich das Wichtigste!

Psyche

Die seelische Verarbeitung einer Krebserkrankung führt oft zu starker innerer Anspannung. Entspannungstechniken wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Yoga und Atemübungen helfen, den Stress abzubauen. Volkshochschulen, Krankenkassen und manche Selbsthilfegruppen bieten entsprechende Kurse an. Sprechen Sie mit Menschen Ihres Vertrauens über Ihre Erkrankung und Ihre Ängste. Das können Angehörige, Freunde, Ihr Arzt oder auch Gleichbetroffene aus einer Selbsthilfegruppe sein. Ihre Ängste werden abnehmen, je länger die Akutbehandlung zurückliegt und je öfter die Ergebnisse der Nachsorgeuntersuchungen günstig ausgefallen sind. Falls Sie Ihre Gefühle nicht so gern in Worte fassen, könnte die Kunsttherapie eine sehr gute Möglichkeit für Sie sein, Ihre Sorgen, aber auch Ihre Lebensfreude mit Farben und Formen auszudrücken. Musik- und Tanztherapie bieten ebenfalls sehr gute Ausdrucks- und Verarbeitungsmöglichkeiten und wecken Lebensfreude und Optimismus.

Körperpflege und Kosmetik: Tun Sie etwas für Ihr Äußeres, das ist gut für Ihr Selbstvertrauen. Pflegen Sie Ihre Haut, probieren Sie vielleicht ein neues Make-up oder gönnen Sie sich einen Besuch bei einer Kosmetikerin. Für Sie und Ihre Gesundheit ist es nur positiv, wenn Sie sich und Ihr Aussehen mögen.

Impfen – Infektionen verringern

Senken Sie ihr Infektionsrisiko. Es ist ratsam ein paar Maßnahmen zu beachten, da Ihr Immunsystem durch die Erkrankung geschwächt sein kann. Waschen Sie regelmäßig Ihre Hände und versuchen Sie, zu Zeiten, in denen Infekte kursieren, Menschenansammlungen zu meiden. Verzichten Sie auf Besuche bei Freunden und Angehörigen, wenn diese erkältet sind oder andere ansteckende Erkrankungen haben. Falls Sie bei sich Anzeichen von Infekten, wie Fieber, Halsschmerzen, anhaltende Durchfälle oder Schmerzen beim Wasserlassen feststellen, dann zögern Sie nicht, rasch Ihren Arzt zu kontaktieren. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt Ihren Impfstatus. Wenn eine Impfung notwendig ist, so sollte sie mindestens vier Wochen vor dem Therapiebeginn abgeschlossen sein.

Über die Anwendung von Impfstoffen während der Therapie liegen zurzeit noch keine ausreichenden Erfahrungen vor. Einige Impfstoffe dürfen nicht zusammen mit monoklonalen Antikörpern oder erst einige Monate nach der Therapie angewendet werden. Ob sich Ihr Immunsystem nach einer Chemotherapie wieder erholt hat und eine Impfung wieder möglich ist, lässt sich anhand einer Blutuntersuchung feststellen.

Urlaub und Reisen

Grundsätzlich spricht nichts gegen eine Urlaubsreise, wenn Sie sich von der Therapie erholt und sich Ihre Blutwerte normalisiert haben. Ein Urlaub kann Ihnen sicher sogar helfen, den Schritt von überstandener Therapie zur Wiederaufnahme Ihres Alltags zu erleichtern.

Sprechen Sie aber vor der Urlaubsplanung mit Ihrem Arzt. Er kann beurteilen, wie belastbar Ihr Immunsystem ist, ob und welche Medikamente notwendig sind und mitgenommen werden müssen und wie Ihre versicherungsrechtliche Situation ist. Ihr behandelnder Arzt kann Ihnen auch Auskunft darüber geben, ob Schutzimpfungen erforderlich sind und ob diese in Ihrem Fall vorgenommen werden können.

Susanne M. (FL) erzählt in dem Video, wie sie trotz ihrer Lymphomerkrankung mit Urlaub und anderen Aktivitäten umgeht.