Die Psyche bei Lymphomen und CLL

Kraft schöpfen, sich seelisch sowie körperlich neu orientieren und wieder einen neuen Weg finden: In dieser Rubrik erhalten Sie Informationen und Tipps zum Umgang mit der Erkrankung.

Diagnose Lymphom: Neuen Mut finden

Das Leben mit einem Lymphom kann ein Kraftakt sein. Sorgen und Ängste kosten Energie und können emotional belasten. Doch es gibt Mittel und Wege, neue Kraft zu schöpfen und die Krankheit besser zu bewältigen. Ob Sport, Ernährung, Entspannung oder psychoonkologische Unterstützung – probieren Sie einfach aus, was Ihnen gut tut und finden Sie Ihren eigenen Weg, damit Ihr Lebensmut zurückkehrt. 

Über Ängste und Sorgen sprechen

Gerade in schwierigen Lebensphasen wie bei einer Lymphomerkrankung kann es befreiend sein, über seine Sorgen, Ängste, aber auch Hoffnungen und Wünsche zu sprechen. Ein offenes Gespräch entlastet und kann den eigenen Blickwinkel auf die Situation verändern. Über Themen zu sprechen, wie die eigene Lebenserwartung und die Chance auf Heilung bei Lymphomen, kann für Betroffene von großer Bedeutung sein. Vertrauen Sie sich zum Beispiel einem guten Freund an oder suchen Sie Halt bei Ihrem Partner oder Ihrer Familie. Manchmal kann es aber auch sein, dass nahestehende Personen mit diesen ernsten Themen überfordert sind. Dann kann Unterstützung von außen helfen. Psychoonkologen sind darauf spezialisiert, Krebspatienten emotionale Hilfestellung zu bieten. Bei einem Experten sind Sie gut aufgehoben. Er kann Ihnen helfen, sich mit schwierigen Themen auseinanderzusetzen, Tiefpunkte zu bewältigen und wieder neuen Mut zu schöpfen. 

Kraftquellen erkennen und nutzen

Für das Wohlbefinden ist es außerdem wichtig, sich seine Lebensfreude zu bewahren. Tun Sie Dinge, die Sie erfüllen: Welche Hobbys geben Ihnen neue Energie? Mit wem verbringen Sie gerne Zeit? Welche Tätigkeiten liegen Ihnen am Herzen? Wer seine Kraftquellen kennt und nutzt, kann sich jeden Tag eine kleine Auszeit schaffen.

Mut haben, die Dinge anzusprechen

„Krebspatienten vollbringen während der Therapie körperliche und seelische Höchstleistungen und dabei brauchen sie Unterstützung.“
Claudia Gutmann, Diplom-Psychologin, Psychoonkologin, Leitung Psychoonkologie AGAPLESION MARKUS KRANKENHAUS, Frankfurt

Das Fachgebiet der Psychoonkologie gewinnt mehr und mehr an Bedeutung. Es ist die psychische Hilfestellung bei der Verarbeitung einer Krebserkrankung. Betroffene und deren Angehörige erhalten Unterstützung bei der Kommunikation mit Fachärzten und erhalten die Möglichkeit, sich mit individuellen Bedürfnissen an die Psychoonkologen zu wenden. Im Interview berichtet Professor Chow bereits, wie groß der Bedarf an Psychoonkologen ist und wie schwer es ist, dem Bedarf nachzukommen. Hinzu kommt, dass Betroffene und Angehörige zu Beginn gar nicht wissen, wie und was sie mit einem „Fremden“ austauschen sollen.

Sie überlegen, ob eine psychoonkologische Beratung für Sie Sinn macht? Wir haben für Sie die wichtigsten Fragen zu einer Checkliste zusammengefasst, die Sie bei Ihrem nächsten Arztbesuch gerne verwenden dürfen.

Checkliste

  • Was versteht man unter einem Psychoonkologen?
  • Wäre eine psychoonkologische Beratung auch für mich gut?
  • Wann sollte ich psychoonkologische Beratung in Anspruch nehmen?
  • Ist der Besuch eines Psychoonkologen auch für Angehörige sinnvoll?
  • Wo und wie finde ich einen geeigneten Psychoonkologen?
  • Können Sie mir einen Psychoonkologen oder eine solche Institution empfehlen?
  • Wer darf psychoonkologische Beratung anbieten?
  • Was passiert in einer psychoonkologischen Beratung? (Ablauf, Dauer, etc.)
  • Welche Arten der psychoonkologischen Beratung gibt es?
  • Wird eine psychoonkologische Beratung von der Krankenkasse bezahlt?
  • Wo finde ich weitere Informationen?

Hilfreiche Adressen, die Ihnen bei der Suche nach einem geeigneten Psychoonkologen helfen können, finden Sie in der Rubrik Adressen | Links.

Was ist mir wirklich wichtig?

Schön, wenn Leistungsfähigkeit und Kräfte nach der Krebstherapie zurückkehren. Doch erst eine gehörige Portion Lebensfreude bewirkt, dass wir uns glücklich und zufrieden fühlen, dass unser Leben wirklich „rund“ ist. Wie erreicht man das?

Hans-Dieter R. (DLBCL) erzählt, wie er damals und heute mit der Erkrankung umgeht

Susanne M. (FL) berichtet, wie sie trotz der Erkrankung positive Gedanken schöpft

Für viele Krebspatienten ist die Zeit der Therapie Anlass, über ihr Leben nachzudenken und sich Fragen wie diese zu stellen:

  • Habe ich mein ganzes Leben lang nur gearbeitet?
  • War ich in erster Linie für andere da und habe ich eigene Bedürfnisse oft zurückgestellt?
  • Was ist mir wirklich wichtig?
  • Welche Kontakte und Hobbys habe ich aus Zeitmangel vernachlässigt?

Hans-Dieter R. betont, was sich in seinem Leben durch die Erkrankung verändert hat

Martin S. (CLL) gibt in diesem Filmeinspieler Tipps zum Umgang mit der Erkrankung 

Schon früh haben wir gelernt, dass zuerst die Arbeit und dann das Vergnügen kommt. Als viel beschäftigte Menschen möchten wir im Beruf und in der Familie eine Stütze sein und rund um die Uhr „funktionieren“. Viele Menschen sind so mit ihren Alltagspflichten beschäftigt, dass sie nach und nach das Gefühl für sich selbst verlieren und nicht mehr wissen, was sie wirklich froh macht. Eine schwere Erkrankung kann Anlass sein, Bilanz zu ziehen und sich neu zu orientieren. Denken Sie einmal darüber nach, aus welchen Bereichen Sie am meisten Freude schöpfen: Familie, Freunde, Beruf, Hobbys?

Notieren Sie sich, was Ihnen Spaß macht: mit Freunden kochen, malen, Ihre Lieblingszeitschrift lesen, Musik hören, Kinder beim Spielen beobachten, Walken mit der Sportgruppe, Fotografieren, die Wohnung verschönern, sich ein Bad mit einem angenehm duftenden Zusatz gönnen, ins Kino gehen, Reisen, Kontakte pflegen, eine Fremdsprache lernen, Klavier spielen ... Schreiben Sie auf, was bisher zu kurz gekommen ist und wie und mit wem Sie in Zukunft Ihre Zeit verbringen möchten. Die Liste dieser angenehmen Tätigkeiten kann Ihnen eine Hilfe sein, wenn es Ihnen einmal nicht so gut geht und Sie eine Aufmunterung benötigen. Gönnen Sie sich jeden Tag ein „kleines Glück“.

Negative Faktoren ausschalten

Überlegen Sie auch, was Ihnen die Stimmung verdirbt: Streit, Schlafmangel, Zeitnot, Stress, lästige Hausarbeit, Langeweile, Einsamkeit, schwierige Entscheidungen, die anstehen? Einige dieser „Stimmungskiller“ können Sie ausschalten, indem Sie z. B. genügend Zeit einplanen, sich Hilfe holen oder für eine gute Organisation sorgen. Lästige Arbeiten, die Sie erledigen müssen, sollten Sie sich so angenehm wie möglich gestalten und sich anschließend belohnen.

Was ist gut gelaufen?

Krebs betrifft auch die Seele

Bei einer Krebserkrankung steht die medizinische Behandlung im Vordergrund. Dies ist wichtig, damit Sie und Ihr Arzt einen größtmöglichen Behandlungserfolg erzielen. Doch die Erkrankung hat auch Auswirkungen auf die Psyche. Verständlicherweise reagieren viele Patienten auf die Diagnose mit Sorgen und Ängsten. Wie geht es für mich weiter, werde ich wieder gesund? Wie und wann erzähle ich meinen Angehörigen und Freunden von der Erkrankung? Kann ich weiter arbeiten gehen, und falls nicht: Was bedeutet dies für mein Selbstbewusstsein und meine finanzielle Situation? Dies sind nur einige Fragen, die Krebspatienten beschäftigen. Vielleicht haben Sie sich diese Fragen auch schon gestellt, vielleicht beschäftigen Sie ganz andere Dinge. Möglicherweise möchten Sie Ihr Umfeld mit solchen Sorgen nicht belasten. Es ist jedoch wichtig, sich in einer solchen Situation jemandem anvertrauen zu können. Daher kann es hilfreich sein, sich als Patient, aber auch als Angehöriger, an eine neutrale Person zu wenden. Diese kann helfen, einen Weg zu finden, um die schwierige Zeit zu bewältigen. Speziell ausgebildete Psychoonkologen sind hier eine professionelle Anlaufstelle.

Wie ein Psychoonkologe Ihnen helfen kann

Psychoonkologen sind Psychotherapeuten, das heißt sie haben entweder ein medizinisches oder psychosoziales, beziehungsweise pädagogisches Studium absolviert. Darüber hinaus verfügen sie über eine spezielle Zusatzausbildung im Bereich der Begleittherapie einer Krebserkrankung. Sie unterstützen bei der Verarbeitung und Bewältigung von psychischen Belastungen, die im Rahmen der Erkrankung auftreten können. In welchem Umfang Sie sich von einem Psychoonkologen begleiten lassen möchten, hängt von Ihrer Situation und Ihren Wünschen ab. Häufig verfügen Kliniken über psychoonkologische Dienste, die nicht nur eine erste kurzfristige Anlaufstelle sind, sondern auch Informationsveranstaltungen, Gesprächsgruppen oder Kurse anbieten. Gleiches gilt für Krebsberatungsstellen. Wenn Sie psychisch sehr stark unter Ihrer Erkrankung leiden oder einfach sehr viele Aspekte zur Belastung werden, kann eine Psychotherapie für Sie der richtige Weg zur Bewältigung sein. Diese umfasst regelmäßige Gesprächstermine und bietet somit die Möglichkeit, auch grundlegende Lebensfragen anzusprechen. Besprechen Sie mit Ihrem Psychoonkologen, ob Sie von einer solchen Therapie profitieren können.

Eine psychoonkologische Betreuung leistet auch Unterstützung bei der Entwicklung und Umsetzung neuer Pläne und Perspektiven. Nicht zuletzt hilft sie auch in sozialrechtlichen Fragen, etwa im Zusammenhang mit Ihrer Berufstätigkeit oder dem Wiedereinstieg in den Beruf. Der Psychoonkologe agiert also als Begleiter des gesamten Erkrankungsprozesses von der Diagnose bis zum Leben und Umgang mit Krebs – sowohl für Sie, als auch für Ihre Angehörigen.

Wie Susanne M. das Angebot an Psychoonkologen empfindet, erzählt sie im folgenden Video

Fragen, bei denen die Psychoonkologie hilft

Wenn Sie die folgenden Fragen oder ähnliche Aspekte beschäftigen, kann eine psychoonkologische Beratung Ihnen vielleicht guttun und weiterhelfen.

  • Wie kann ich den Schock der Krebsdiagnose verkraften?
  • Wie kann ich neue Kraft schöpfen?
  • Wann und wie soll ich meiner Familie / meinen Freunden von der Erkrankung erzählen?
  • Soll ich meinen Arbeitgeber informieren?
  • Wer hilft mir im Alltag, wenn es mir nicht gut geht?
  • Stehen mir Sozialleistungen zu? Kann ich wieder in den Beruf einsteigen?

Das können Sie für sich selbst tun

Die Diagnose „Krebs“ bringt bei vielen Betroffenen die gesamte Lebensplanung durcheinander – nichts ist mehr so, wie es früher war. Die bedrohliche Diagnose seelisch zu verarbeiten, ist mindestens genauso anstrengend wie die medizinische Krebstherapie.

Wenn Sie die Akuttherapie gerade hinter sich haben oder sich noch in Behandlung befinden, ist es wichtig, dass Sie liebevoll mit Ihrem Körper und Ihrer Seele umgehen, um wieder Mut und Kraft zu schöpfen. Sie können eine ganze Menge für sich selbst tun!

Susanne M. erzählt in dem Filmeinspieler, was ihr im Umgang mit der Erkrankung geholfen hat

Psyche

Die seelische Verarbeitung einer Krebserkrankung führt oft zu starker innerer Anspannung. Entspannungstechniken wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Yoga und Atemübungen helfen, den Stress abzubauen. Volkshochschulen, Krankenkassen und manche Selbsthilfegruppen bieten entsprechende Kurse an. Sprechen Sie mit Menschen Ihres Vertrauens über Ihre Erkrankung und Ihre Ängste. Das können Angehörige, Freunde, Ihr Arzt oder auch Gleichbetroffene aus einer Selbsthilfegruppe sein. Ihre Ängste werden abnehmen, je länger die Akutbehandlung zurückliegt und je öfter die Ergebnisse der Nachsorgeuntersuchungen günstig ausgefallen sind. Falls Sie Ihre Gefühle nicht so gern in Worte fassen, könnte die Kunsttherapie eine sehr gute Möglichkeit für Sie sein, Ihre Sorgen, aber auch Ihre Lebensfreude mit Farben und Formen auszudrücken. Musik- und Tanztherapie bieten ebenfalls sehr gute Ausdrucks- und Verarbeitungsmöglichkeiten und wecken Lebensfreude und Optimismus.

Körperpflege und Kosmetik: Tun Sie etwas für Ihr Äußeres, das ist gut für Ihr Selbstvertrauen. Pflegen Sie Ihre Haut, probieren Sie vielleicht ein neues Make-up oder gönnen Sie sich einen Besuch bei einer Kosmetikerin. Für Sie und Ihre Gesundheit ist es nur positiv, wenn Sie sich und Ihr Aussehen mögen.