Das follikuläre Lymphom

Das follikuläre Lymphom (FL) gehört zu den langsam wachsenden (indolenten) Non-Hodgkin-Lymphomen (NHL). In der westlichen Welt ist es das häufigste NHL und tritt meist erst in einem höheren Lebensalter zwischen 60 und 65 Jahren auf. Frauen sind häufiger von einer FL Erkrankung betroffen als Männern. Bei Frauen macht das FL 20 % aller NHL-Erkrankungen aus, während 15 % aller Männer mit einem NHL, an einem follikulärem Lymphom leiden.

Was ist das FL?

Bei dem FL ist während der Zellteilung von B-Lymphozyten (weiße Blutkörperchen und ein Teil des Immunsystems) ein Fehler aufgetreten, sodass die daraus entstehenden B-Lymphozyten nicht mehr funktionstüchtig sind. Stattdessen leben die krankhaft veränderten B-Zellen länger als die gesunden und vermehren sich schneller. Dies führt nach und nach zu einer Ansammlung der bösartig veränderten B-Zellen in den Lymphknoten oder im Knochenmark, im Blut, in der Milz oder in den Schleimhäuten.

Die Ursachen für die Entstehung sind nicht eindeutig geklärt, aber bestimmte Risikofaktoren wie Pestizide, Benzol und Rauchen oder Passivrauchen erhöhen das Risiko, an einem FL zu erkranken.

 

Die verschiedenen Stadien des FL

Das FL lässt sich in verschiedene Stadien unterteilen. Diese Einteilung berücksichtigt das Ausmaß und die Verteilung der befallenen Lymphknoten.

 

Stadium

Befallene Regionen

I

 
  • Nur eine einzige Lymphknotenregion
  • Nur ein einziger lokalisierter extranodaler (außerhalb der Lymphknoten) Herd
 

II

 
  • Zwei oder mehr Lymphknotenregionen auf einer Seite des Zwerchfells
  • Ein extranodaler Herd und eine oder mehrere Lymphknotenregionen auf einer Seite des Zwerchfells
 

III

 
  • Zwei oder mehr Regionen auf beiden Seiten des Zwerchfells 
  • Lokalisierte extranodale Herde und Lymphknoten auf beiden Seiten des Zwerchfells
 

IV

 
  • Extralymphatische (außerhalb des Lymphsystems) Organe mit oder ohne LymphknotenBefall
 

 

Als Zusatz werden die Stadien mit A oder B versehen, abhängig davon, ob bestimmte unspezifische Symptome, genannt B-Symptome, aufgetreten sind oder nicht.

Als weiteres Kriterium wird das FL nach einer feingeweblichen Untersuchung in vier Untergruppen unterteilt: 1, 2, 3A und 3B. Die Untergruppen geben an, inwieweit das krankhaft veränderte Gewebe von dem gesunden Körpergewebe abweicht. FL mit der Klassifizierung 1, 2 und 3A gelten als indolent, also langsam wachsend, wohingegen die Bezeichnung 3B für ein aggressives und schnellwachsendes FL steht.

 

Wie wird das FL diagnostiziert?

Das FL wird oft erst sehr spät diagnostiziert. In 80 Prozent der Fälle erfolgt die Diagnose erst im fortgeschrittenen Stadium. Dies liegt daran, dass meist keine konkreten Beschwerden auftreten, sondern das FL bei einer Routineuntersuchung entdeckt wird. Hierbei äußert es sich durch schmerzfreie tastbare oder sichtbare vergrößerte Lymphknoten.

Zudem gibt es sogenannte B-Symptome, die auftreten können aber nicht müssen und auch nicht zwangsläufig auf ein FL hindeuten. Dazu gehören Nachtschweiß, Gewichtsverlust, Fieber oder Anämie. Diese können mit Müdigkeit und Abgeschlagenheit einhergehen. Zudem nimmt der Anteil an funktionstüchtigen B-Lymphozyten ab, weswegen einer erhöhte Gefahr für Infekte besteht.

Wenn der Verdacht eines FL besteht, nimmt der Arzt eine Lymphknotenentfernung oder -biopsie vor. Bewahrheitet sich der Verdacht, bestimmt der Arzt  mithilfe einer körperlichen Untersuchung, einer Ultraschalluntersuchung, einer Knochenmarkpunktion oder einer Computertomographie das Stadium.

 

Wie wird das FL behandelt?

Die angewendete Therapie hängt sehr stark vom Stadium des FL ab. Weitere Kriterien sind der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten und eventuelle Komorbiditäten.

Während der  frühen Stadien (I und II) wird meist eine kurative Therapie angewendet. Das bedeutet, dass das FL geheilt werden soll. Hierfür kommt – unabhängig von der Altersgruppe – eine Strahlentherapie zum Einsatz.

In den  fortgeschrittenen Stadien (III und IV) ist die „Watch & Wait“-Methode die erste Vorgehensweise. Bei regelmäßigen Kontrolluntersuchungen überprüft der Arzt das FL genau auf Veränderungen. Erst wenn tatsächlich Symptome auftreten, beginnt die medikamentöse Therapie: Abhängig vom Alter und Gesundheitszustand entweder eine Kombination aus Chemo-und Immuntherapie oder nur eine der beiden Therapien. In der Regel wird die Chemo-Immuntherapie mit einer sich anschließenden Immuntherapie ergänzt um das Therapierergebnis länger zu erhalten. Laut Studie liegt das mediane PFS laut Studie (PRIMA Salles) bei 10,5 Jahren, d.h. bis die Erkrankung nach einer erfolgreichen ersten Therapie erneut auftritt. Da auch nach einem Wiederauftreten der Erkrankung das FL erneut gut behandelbar ist.

 

Eine gute Prognose

In den meisten Fällen haben die Patienten eine gute Prognose. Während für FL Patienten mit einem frühen Stadium noch eine Heilung möglich ist, können Patienten, die in einem späteren Stadium diagnostiziert worden sind, auch von einem guten Krankheitsverlauf ausgehen. Die ersten beiden Jahre nach der Diagnose und nach Beginn der Therapie sind in den meisten Fällen entscheidend.

Der Krankheitsverlauf eines jeden Patienten ist höchst individuell und kann mit keinem statistischen Parameter vorhergesagt werden. Bei einer Therapieentscheidung spielen aber auch andere Aspekte, wie z.B. Verträglichkeit, Allgemeinzustand und Lebensumstände eine Rolle.

 

Quellen:

https://www.krebsratgeber.de/artikel/eine-langsam-wachsende-form-des-lymphdruesenkrebs

https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/follikulaeres-lymphom/@@view/html/index.html

Zentrum für Krebsregisterdaten; Krebs in Deutschland 2011/2012, 10. Ausgabe, 2015

Provencio, M. et al., 2017, Cancer Vol. 123(19):3709-3716, DOI: 10.1002/cncr.30795

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