Wie wichtig sind Vitamine?

Vitamine haben einen ausgesprochen guten Ruf. Man sagt ihnen nach, dass sie Erkrankungen vorbeugen und sogar zur Heilung beitragen können. Wie wichtig sind Vitamine wirklich für unser Immunsystem? Welche zusätzlichen Faktoren wirken sich günstig auf unsere Abwehrkräfte aus?

 

Vitamin C als Brausetablette, Vitamin B in kleinen Fläschchen, Vitamin E als Kapsel, Magnesium zum Lutschen, Eisen als Dragee, Calcium als Pulver oder Kombinationspräparate als Saft – Nahrungsergänzungsmittel gibt es in vielen verschiedenen Varianten und Dosierungen; oft sogar freiverkäuflich in Supermärkten, Drogerien, Apotheken und im Internet.

Für die Funktion unseres Immunsystems ist die Versorgung mit Vitaminen und Nährstoffen sehr wichtig. Wir nehmen die essenziellen Stoffe durch die Nahrung auf, da der menschliche Körper sie nicht selbst bilden kann. Wenn man sich aber ausgewogen ernährt, muss man keinen Nährstoffmangel befürchten. In Deutschland sind 98 Prozent der gesunden Erwachsenen gut versorgt. Dennoch gibt ein Drittel aller Erwachsenen an, regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel zu nehmen. Eine zusätzliche Vitaminaufnahme hat in der Regel keine förderliche Auswirkung auf die Gesundheit. Hochdosierte Vitaminpräparate stehen sogar im Verdacht, eher zu schaden als zu nutzen.

 

Als Krebspatienten möchte man selbst etwas tun und oft versucht man mit Hilfe solcher Produkte die Erkrankung positiv zu beeinflussen, die Therapie zu unterstützen oder mögliche Nebenwirkungen abzumildern. Dass dieser Wunsch in Erfüllung geht, sehen Wissenschaftler und Krebsmediziner allerdings kritisch. In ihren Augen bergen solche Präparate gesundheitliche Risiken, wenn sie auf eigene Faust und in einer hohen Dosierung eingenommen werden. So steht beispielsweise zu befürchten, dass die Wirkung von Antikörper-, Chemo- oder auch Strahlentherapie abgeschwächt wird, wenn Patienten Vitamin C, E oder Beta-Carotin in hohen Dosierungen einnehmen. Bei vielen anderen Vitaminen oder Nährstoffen ist hingegen noch gar nicht bekannt, ob es zu unerwünschten Wechselwirkungen mit der eigentlichen Krebstherapie kommen kann.

 

Wenn Ihr Arzt jedoch im Laufe einer Lymphomerkrankung eine Unterversorgung oder einen Mangel feststellt, wie z.B. aufgrund von Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen oder Schleimhautentzündungen, die die Nahrungsaufnahme erschweren können, kann er dies gezielt gegensteuern und die entsprechenden Präparate und eine Ernährungstherapie verordnen.

 

Beim DLBCL spielt insbesondere das Vitamin D eine große Rolle. Hier haben Untersuchungen gezeigt, dass ein zu geringer Vitamin-D-Spiegel die Wirksamkeit der Antikörpertherapie abschwächen kann. Deshalb wird in der Regel bei einem zu niedrigen Vitamin-D-Serumspiegel eine Substitution verordnet, damit der Serumspiegel wieder im Normalbereich liegt.

 

Gesunder Lebensstil als Basis

Vitamine bilden eine wichtige Basis für ein gut funktionierendes Immunsystem. Eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung mit vielen Nährstoffen sowie mit Prä- und Probiotika ist wichtig. Aber auch andere Faktoren beeinflussen das Immunsystem. Ausreichend Schlaf, Bewegung und Erholungsphasen sowie ein gesunder Lebensstil erhöhen die Lebensqualität. Saunagänge oder Dampfbäder zum Beispiel trainieren mit ihren wechselnden Temperaturen das Immunsystem. Fast immer gilt, dass zu viel Ruhe eher schadet als nützt. Studien belegen, dass körperlich fitte Lymphompatienten bessere Heilungschancen haben als untrainierte. Auch sind die Rückfallquoten nach überstandener Krebserkrankung deutlich geringer.

 

Quellen

Nimptsch, K. et al.: Dietary vitamin K intake in relation to cancer incidence and mortality: results from the Heidelberg cohort of the European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC-Heidelberg). In: American Journal of Clinical Nutrition 91(5), (2010), S. 1348-1358?)

Padayatty JS, Sun H, Wang Y, et al. Vitamin C pharmacokinetics: Implications for oral and intravenous use. Ann Intern Med, 2004; 140(7): 533-538.

Chen Q, Espey MG, Krishna MC, et al. Pharmacologic ascorbic acid concentrations selectively kill cancer cells: action as prodrug to deliver hydrogen peroxide to tissues. Proc Natl Acad Sci USA 2005; 102(38): 13604-13609.

Chen, Q, Espey MG, Sun AY, et al. Pharmacologic doses of ascorbate act as prooxidant and decrease growth of aggressive tumor xenografts in mice. Proc Natl Acad Sci USA 2008; 105 (32): 11037-11038)

Ma Y, Chapman J, Levine M, et al. High-dose parenteral ascorbate enhanced chemosensitivity of ovarian cancer and reduced toxicity of chemotherapy. Sci Transl Med. 2014; 6(222): 222ra18

https://www.krebsinformationsdienst.de/aktuelles/2018/news003-vitamine-mineralstoffe-wie-viel-ist-zu-viel.php

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-312015/weniger-krebs-durch-sport/

http://www.lymphome.de/InfoLymphome/DLBCL/DLBCL_Therapie/Alternative_bzw._komplementaere_Methoden.jsp

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