Therapie fortgeschrittenes Stadium FL

Wenn im fortgeschrittenen Stadium (III und IV) des follikulären Lymphoms Symptome vorliegen, erfolgt eine Kombinationstherapie und einer sich daran anschließenden Erhaltungstherapie.

Kombinationstherapie aus Antikörper- und Chemotherapie + Erhaltungstherapie mit der Antikörpertherapie

In der Kombinationstherapie führt das Zusammenspiel mehrerer Wirkstoffe zu einer wirksameren FL-Therapie und verbesserten Behandlungsergebnissen als nur bei einer der beiden Maßnahmen.

Die Erhaltungstherapie fungiert als Absicherung des bereits erreichten Therapieerfolgs bei FL und dient zumindest für einen bestimmten Zeitraum als eine Art Schutz gegen die Rückkehr der Erkrankungssymptome – was in wissenschaftlichen Studien zu Therapien beim follikulären Non-Hodgkin nachgewiesen werden konnte: Patienten mit einem follikulären Lymphom, die eine Erhaltungstherapie mit einem monoklonalen Antikörper erhielten, lebten länger ohne ein Fortschreiten ihrer Erkrankung als FL-Patienten, deren Erkrankung lediglich beobachtet wurde.

In der Regel sind bei der Kombinationstherapie sowie bei der Erhaltungstherapie keine stationären Krankenhausaufenthalte notwendig. Die Entscheidung über die Details der jeweiligen FL-Therapie muss selbstverständlich für jeden Patienten individuell getroffen werden. Das heißt die Zyklen und die Dauer Ihrer Therapie legt Ihr behandelnder Arzt fest. Er kann mit Ihnen auch entscheiden, wie die Therapie gegeben wird. Je nach Chemotherapeutikum kann dieses oral oder intravenös gegeben werden. Die Antikörper können intravenös über mehrere Stunden verabreicht oder innerhalb von circa fünf Minuten gespritzt werden.

Nähere Informationen zur Antikörpertherapie bei FL

Monoklonale Antikörper sind spezielle Eiweiße, die die Oberflächenstruktur (CD20) bestimmter Tumorzellen erkennen und an diese andocken können.

Eine Antikörpertherapie wirkt überwiegend durch die Aktivierung des körpereigenen Immunsystems. Sie unterscheidet sich in ihrer Wirkungsweise damit grundlegend von der Chemotherapie.

Das Prinzip der Antikörpertherapie beruht auf der gezielten Erkennung und Vernichtung von Krebszellen. Zellen in anderen Entwicklungsstufen werden nicht angegriffen. Bei einer FL stehen verschiedene Präparate für die Antikörpertherapie zur Verfügung. Diese sind sogenannte monoklonale Antikörper spezielle Eiweiße, die bestimmte Oberflächen der B-Lymphozyten erkennen und gezielt an diese andocken. Durch das Andocken geschehen zwei Dinge: Die körpereigene Abwehr wird aktiviert, um dann die Krebszelle abzutöten. Zusätzlich hat der Antikörper ebenfalls eine direkte, abtötende Wirkung auf die betreffende Zelle. Bildlich gesprochen funktionieren monoklonale Antikörper in Verbindung mit Krebszellen wie ein Schlüssel-Schloss-Prinzip, dessen Ergebnis die gezielte Tötung der Krebszelle ist.

Der an CD20 gebundene Antikörper kann Zellen des Immunsystems dazu bringen, die gebundene Lymphomzelle zu zerstören. Während er mit seiner variablen Region an CD20 bindet (a), kann der freie "Stamm" (b) der konstanten Region vom Immunsystem des Körpers erkannt werden: Einige Zellen, zum Beispiel sogenannte Natürliche Killerzellen, besitzen auf ihrer Oberfläche Andockstellen, die den Antikörper erkennen. Kommt diese Verbindung zustande, zerstört die Killerzelle die Lymphomzelle (zellvermittelter Zelltod), vermittelt durch den Antikörper.

Die Tatsache, dass es verschiedene Antikörperpräparate gibt, die bei unterschiedlichen Lymphomen unterschiedlich gut wirken, ist eine große Chance für FL-Patienten. Ihr Arzt kann somit für Sie den besten Antikörper auswählen.

Die Antikörpertherapie bei FL läuft in der Regel als Intervallbehandlung ab, das heißt die Gesamtbehandlung setzt sich aus mehreren Einzelbehandlungen, den sogenannten Zyklen, zusammen. Diese werden in bestimmten zeitlichen Abständen wiederholt. Die Therapie erfordert in der Regel keinen stationären Aufenthalt.

Bei der Antikörpertherapie kommen verschiedene Darreichungsformen zum Einsatz. Diese richten sich nach dem Wirkstoff und den Bedürfnissen des Patienten. Es gibt Antikörper, die als Infusion verabreicht werden und solche, die unter die Haut, also subkutan, gespritzt werden. Jede dieser Anwendungsmöglichkeiten hat verschiedene Vor- und Nachteile.

SUBKUTANE GABE (SC)

  • Dauer: ca. 5 Minuten

INFUSION IN DIE VENE (IV)

  • Dauer: ca. 2 – 6 Stunden

Bei einer Infusion erhält der Patient den Wirkstoff über einen längeren Zeitraum hinweg in eine Vene (intravenös). Während einer Infusion tropft der Wirkstoff aus dem Infusionsbeutel über einen Schlauch in den Körper. Von diesem Vorgang kommt auch der Name: Infusion von lateinisch „infundere“ für „eingießen, einschütten“. Die Infusion der Antikörpertherapie dauert zwischen 2 bis 6 Stunden.

Bei einer Subkutanen Gabe spritzt man der Arzt den Wirkstoff in die obere Hautschicht. Dieser Vorgang nimmt etwa fünf Minuten in Anspruch.

Wenden Sie sich an Ihren Arzt, um die für Sie passende Verabreichungsform zu finden.          

Susanne M. erzählt in diesem Clip von der Antikörpertherapie 

Wie ist die Verträglichkeit der Antikörpertherapie beim FL?

Die Antikörpertherapie wird von FL-Patienten in der Regel gut vertragen. Wie bei allen Arzneimitteln kann auch diese Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem auftreten müssen. Eine der häufigsten Nebenwirkungen ist die infusionsassoziierte Reaktion (IRR), die während oder innerhalb von 24 Stunden nach der Infusion auftreten kann. Symptome dafür sind beispielsweise Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit, Schwäche, Kopfschmerzen, Durchfall und Atembeschwerden. Bei den Folgebehandlungen gehen diese jedoch deutlich zurück.

Nebenwirkungen der Antikörpertherapie bei FL

Bei einer Antikörpertherapie ist mit anderen Nebenwirkungen als bei einer Chemotherapie zu rechnen. Im Vordergrund stehen dabei Nebenwirkungen wie sie auch im Verlauf eines grippalen Infektes auftreten.

Weitere Nebenwirkungen, die sich gezeigt haben, gehen zum Beispiel von einer Blutbildveränderung aus. Dazu kann es zu viralen oder bakteriellen Infektionen, verstärkter Blutungsneigung, Abgeschlagenheit und Müdigkeit kommen.

Hier wurden die häufigsten und typischen Nebenwirkungen der Antikörpertherapie bei FL aufgeführt. Die Zusammenstellung ist nicht vollständig. Bitte informieren Sie sich zu Risiken und Nebenwirkungen in der Gebrauchsanwendung (Packungsbeilage) des jeweiligen Medikaments und fragen Sie Ihren Arzt und Apotheker.

In diesem Clip berichtet Susanne M. von ihren Nebenwirkungen der Antikörpertherapie

Was muss ich beachten, wenn Nebenwirkungen auftreten?

Melden Sie alle Nebenwirkungen oder Veränderungen Ihres Körpers ohne Verzögerungen Ihrem Arzt. 

Seit 2013 gibt es in allen EU-Ländern für Medikamente, die einer besonderen Überwachung bedürfen, eine Kennzeichnung mit einem schwarzen Dreieck.

Vielleicht haben Sie dieses umgekehrte schwarze Dreieck auf einigen Ihrer Patientenbroschüren oder Gebrauchsinformation entdeckt. 

▼ „Dieses Arzneimittel unterliegt einer zusätzlichen Überwachung."

Das BfArM führt hierzu aus: „Unter zusätzlicher Überwachung stehen Arzneimittel in der Regel dann, wenn zu ihnen weniger Informationen als zu anderen Arzneimitteln zur Verfügung stehen. Gründe können dafür sein, dass das Mittel neu auf dem Markt ist oder nur unzureichende Daten zu seiner Langzeitanwendung vorliegen. Das schwarze Dreieck zeigt an, dass dieses Mittel noch strenger überwacht wird als andere Arzneimittel. Es bedeutet aber nicht, dass das Arzneimittel nicht sicher ist.

Das schwarze Dreieck fordert Patientinnen und Patienten in besonderem Maße dazu auf, jeden Verdacht auf eine eventuelle Nebenwirkung beim Gebrauch des Arzneimittels zu melden. Sie können sich dazu an ihre Ärztin oder ihren Arzt wenden. Patientinnen und Patienten können Nebenwirkungen aber auch jederzeit an die zuständige Behörde (BfArM oder Paul-Ehrlich-Institut) melden.“1

1http://bit.ly/bfarm_Schwarzes_Dreieck

Es gibt Antikörper, die den gleichen Wirkstoffnamen jedoch anderen Handelsnamen tragen. (Originalpräparate und beispielsweise biosimilare Antikörper*)

Für Sie als Patient ist es wichtig, dass auftretende Nebenwirkungen eindeutig dem Medikament zuordenbar sind, welches Sie erhalten. Denn nur wenn diese Voraussetzung erfüllt ist, können Therapien patientenindividuell angepasst, Haftungsfälle geklärt und dem richtigen pharmazeutischen Hersteller zugeordnet werden. Dies hat auch der Gesetzgeber erkannt und eine Neuregelung geschaffen, welche beispielsweise das BfArM verpflichtet, Nebenwirkungen unter Nennung des Handelsnamens zu dokumentieren. Deshalb sollten auch Sie den Handelsnamen Ihres Medikamentes kennen. 

*Biosimilare Antikörper sind (biologisch hergestellte) Nachahmerprodukte, für die eine ähnliche Sicherheit und Wirksamkeit zu einem Original-Antikörper im Rahmen eines von der EMA (European Medicines Agency) definierten und speziell dafür bestimmten Zulassungsverfahren nachgewiesen wurde. Biosimilare und Originalpräparate liegen einem unterschiedlichen Herstellungsprozess zugrunde, der dazu führt, dass die Wirkstoffe biologisch ähnlich aber nicht identisch sind. Daher werden biosimilare Antikörper wie neue Arzneimittel behandelt und unterliegen ebenfalls einer zusätzlichen Überwachung (siehe oben, „schwarzes Dreieck“).

Nähere Informationen zur Chemotherapie bei FL

Die Chemotherapie ist die bekannteste Therapieform bei Krebs-Behandlungen. Das Prinzip einer Chemotherapie ist es, mittels der medikamentösen Gabe sogenannter Zytostatika die Krebszellen in ihrem Wachstum zu hindern. Diese Zytostatika schädigen direkt die Tumorzellen oder hemmen ihre unkontrollierte Vermehrung.

Chemotherapie bei FL

Eine Chemotherapie ist eine medikamentöse Therapie, mit deren Hilfe die krankheitsverursachenden Zellen an ihrer Teilung gehindert und zum Absterben gebracht werden.

Es gibt verschiedene Zytostatika. Bei einer Chemotherapie  kann je nach Stadium der Krankheit ein einziges oder eine Kombination aus mehreren verschiedenen zum Einsatz kommen. Eine Chemotherapie wirkt auf den ganzen Körper, also nicht nur auf die großen sichtbaren Tumore, sondern auch auf die vereinzelt im Körper zirkulierenden Tumorzellen.

Eine Chemotherapie findet im Rahmen einer sogenannten Intervallbehandlung statt.

Je nachdem, welches Zytostatikum für Ihre Behandlung infrage kommt, können Sie dieses in verschiedenen Verabreichungsformen (Infusion, Port, Tablette, Spritze) erhalten. Diese Behandlung erfordert in der Regel keinen stationären Aufenthalt.

Susanne M. berichtet hier, wie sie die Chemotherapie empfunden hat

Wie ist die Verträglichkeit der Chemotherapie beim FL?

Für die meisten Menschen ist der Begriff Chemotherapie auch mit einigen Ängsten vor möglichen Nebenwirkungen verbunden. Tatsächlich kann eine Chemotherapie einige unerwünschte Folgen haben – in der Regel lassen sich diese aber durch Gegenmaßnahmen gut kontrollieren bzw. viele entwickeln sich nach Therapieabschluss automatisch zurück. Haarausfall, die Nebenwirkung, die sicherlich am häufigsten mit der Chemotherapie in Verbindung gebracht wird, geht z. B. nach Abschluss der Therapie fast immer zurück.

Mit welchen Nebenwirkungen der Chemotherapie Susanne M. zu kämpfen hatte, erzählt sie hier

Die in der Chemotherapie eingesetzten Medikamente greifen Zellen an, die besonders teilungsaktiv sind. Dadurch werden nicht nur Tumorzellen abgetötet, sondern auch gesunde Körperzellen in Mitleidenschaft gezogen. Daraus resultierende Nebenwirkungen betreffen vor allem die Schleimhäute in Mund und Darm, die Haarwurzeln sowie die blutbildenden Zellen des Knochenmarks.

Dadurch kann es zu entsprechenden Nebenwirkungen kommen:

Folgen sind: Übelkeit und Durchfall

Diese können durch entsprechende Zusatzmedikamente (=Antiemetika, Arzneimittel gegen Übelkeit und Erbrechen) erheblich abgeschwächt werden.

Folge ist: Haarausfall

Der eingetretene Haarausfall bildet sich nach Abschluss der Therapie fast immer zurück.

Folgen sind: Infekte, Fieber, allgemeine Schwäche, Kurzatmigkeit, Störungen der Blutgerinnung, Blutungen.

Diese Nebenwirkungen sind vorrübergehend und treten meist nicht sofort auf, sondern mit einer Verzögerung von Stunden bis Tagen nach der Chemotherapie.

 

Folgen sind: Schmerzen und Gefühlsstörungen (Kribbeln, pelziges Gefühl) an Händen und Füßen.

Meist entwickelt sich die Gefühlsstörung zurück, jedoch gab es einige Fälle, bei denen diese Polyneuropathie länger anhielt.

 

Nebenwirkungen auf die Fruchtbarkeit bei FL-Patienten

Es ist möglich, dass eine Chemotherapie die Keimzellen (Ei- und Samenzellen) beeinträchtigt. Deshalb sollten während der FL-Therapie empfängnisverhütende Maßnahmen genutzt werden, um eine mögliche Schwangerschaft zu verhindern.

Bitte klären Sie mit Ihrem Arzt, wie lange dies auf Grund der Chemotherapie notwendig ist. Im Falle eines Kinderwunsches ist es empfehlenswert Ihren Arzt zu fragen, ob die Therapie möglicherweise zur Zeugungsunfähigkeit führen kann. Ihr Arzt wird dann mit Ihnen besprechen, ob und wie man entsprechende Vorsorgen treffen kann: Es ist z. B. möglich vor der FL-Therapie Spermien oder Eizellen einzufrieren.

Nebenwirkung der Chemo bei FL

Durch eine Chemotherapie werden nicht nur Tumorzellen abgetötet, sondern es können auch gesunde Zellen angegriffen werden. Für die meisten Nebenwirkungen gibt es aber wirkungsvolle Gegenmaßnahmen, viele bilden sich auch von alleine zurück.

Hier wurden die häufigsten und typischen Nebenwirkungen der Chemotherapie bei FL aufgeführt. Die Zusammenstellung ist nicht vollständig. Bitte informieren Sie sich zu Risiken und Nebenwirkungen in der Gebrauchsanwendung (Packungsbeilage) des jeweiligen Medikaments und fragen Sie Ihren Arzt und Apotheker.

Alternative und komplementäre Behandlungsmethoden bei FL

Es gibt eine breite Palette von Angeboten, die eine „Heilung“ oder „Verbesserung“ Ihrer Prognose versprechen. Dabei sollten Sie beachten, dass die alternativen Behandlungsmethoden viel Geld kosten und es keine Nachweise dafür gibt, dass diese das follikuläre Non-Hodgkin-Lymphom bekämpfen oder zum Stillstand bringen. Auch bei Nahrungsergänzungsmitteln oder anderen naturheilkundlichen „Medikamenten“ ist zu beachten, dass diese während einer Therapie dem Therapieerfolg entgegenwirken können, da die Substanzen die Wirksamkeit beeinflussen können.
Anders ist dies bei den komplementären Behandlungsmethoden, die die Schulmedizin ergänzen und das Wohlbefinden des Patienten verbessern oder die Nebenwirkungen abmildern können. Dazu gehören zum Beispiel Bewegungsangebote und Ernährungstipps, aber auch naturheilkundliche Verfahren.

Wichtig ist aber, sich bei diesen begleitenden Therapien bei anerkannten Fachleuten beraten zu lassen und den behandelnden Onkologen darüber zu informieren.

Komplementäre Behandlungsmethoden bei FL

Bewegungsangebote, Ernährungstipps oder naturheilkundliche Verfahren können Ihr Wohlbefinden verbessern und Nebenwirkungen von der FL-Therapie abmindern. Diese Methoden können die Schulmedizin ergänzen. Wichtig ist aber, bei diesen begleitenden Therapien, sich bei anerkannten Fachleuten beraten zu lassen und auf jeden Fall Ihren behandelnden Onkologen über alle Substanzen zu informieren.

Noch mehr Informationen

Hier erhalten Sie Informationen und Tipps für die Zeit nach der FL-Therapie