Das follikuläre Lymphom

Das follikuläre Non-Hodgkin-Lymphom ist eine Krebsart, die direkt die Lymphknoten befällt. Es wird auch schlicht follikuläres Lymphom genannt und zählt zu den malignen (bösartigen) Lymphomen.

 

Quelle: Bericht zum Krebsgeschehen in Deutschland 2016. Zentrum für Krebsregisterdaten im Robert Koch-Institut (Hrsg). Berlin, 2016

Professor Hiddemann informiert über die Diagnose Follikuläres Lymphom (FL)

Was ist ein follikuläres Lymphom (FL)

Der Begriff Krebs fasst eine Menge Erkrankungen zusammen, die sehr unterschiedliche Verläufe und Symptome haben. Dieser Oberbegriff ist, wie wohl kaum ein anderer, mit Angst behaftet. Sich zu informieren kann ein erster Schritt sein, mit diesen berechtigten Ängsten umzugehen. Lassen Sie sich nicht zu sehr von dem Begriff "bösartig" irritieren: Beim follikulären Lymphom handelt es sich um eine Erkrankung, die oft sehr gut kontrollierbar ist. 

Das follikuläre Non-Hodgkin-Lymphom

FL ist eine Krebserkrankung des Blutes, bei der entartete B-Lymphozyten, eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen die Lymphknoten befallen. Diese Erkrankung schreitet nur langsam voran und ist meist relativ gut behandelbar.

Das FL ist die häufigste Form eines langsam wachsenden Non-Hodgkin-Lymphoms (Hodgkin sprich „Hotschkin“). Generell unterscheidet man zwei Arten von malignen Lymphomen:

  • Hodgkin-Lymphome (Morbus Hodgkin) sind nach dem englischen Arzt Sir Thomas Hodgkin benannt.
  • Unter Non-Hodgkin-Lymphomen (NHL) fasst man alle Lymphome zusammen, die nicht zum Morbus Hodgkin zählen. Mittlerweile werden zwischen mehr als 50 verschiedene NHL-Formen unterschieden. Verlauf, Behandlung und auch Prognose sind bei diesen deutlich unterschiedlich.

In diesem Einspieler erzählt Susanne M. von ihrer Reaktion nach der Diagnose

Mutierte Lymphozyten, die Verursacher der Lymphome, teilen sich ungehemmt ohne abzusterben und sammeln sich zum Beispiel in den Lymphknoten. Dadurch schwellen die befallenen Lymphknoten an und verursachen mitunter auch Schmerzen.

Das follikuläre Lymphom ist auf die Entartung von B-Lymphozyten eines bestimmten Zell-Entwicklungsstadiums zurückzuführen. Die genauen Ursachen sind nicht bekannt. Nach heutigem Kenntnisstand sind sie nicht vererbbar, sondern treten im Laufe des Lebens "zufällig" auf. 

Susanne M. berichtet von dem Moment ihrer Diagnosestellung

Da die Symptome einer Grippe sehr ähneln, wird die FL, meist sehr spät festgestellt. Deshalb befinden sich viele Patienten zum Zeitpunkt der Diagnose bereits im fortgeschrittenen Stadium. Auch in diesem Krankheitsstadium können viele Menschen mit einem behandlungsbedürftigen follikulären Lymphom mit der Hilfe ihres Arztes und einer modernen Antikörper-Chemotherapie über Jahre hinweg ein ganz normales Leben führen.

Langsam fortschreitendes Lymphom (FL)

Das follikuläre Lymphom ist die häufigste Form eines Non-Hodgkin-Lymphoms. Die Erkrankung gilt als langsam fortschreitend und gut kontrollierbar.

Obwohl das Follikuläre Lymphom im Allgemeinen als unheilbar gilt, bieten heute neue Behandlungsoptionen oft eine lange Zeit ohne Behandlung in Remission.

Welche Symptome treten bei der FL auf?

Anfangs haben Menschen mit einem follikulären Lymphom meist keine speziellen Beschwerden. Lediglich schmerzlose Lymphknotenschwellungen, die langsam zunehmen, sind die ersten Anzeichen einer FL. Oft kann auch eine leichte bis mäßige Milzvergrößerung vorliegen.
Wenn vergrößerte Lymphknoten auf Blutgefäße drücken, kann es zu ersten größeren Beschwerden und Symptomen kommen, die beispielsweise zu einer Venenthrombose führen können. In weiter fortgeschrittenen Krankheitsstadien können Infektanfälligkeit und Blutungsneigung auftreten. Etwa 30% der FL-Patienten klagen über Allgemeinsymptome wie:

  • Müdigkeit
  • Nachtschweiß
  • Leistungsminderung
  • Blässe
  • Häufigeres Auftreten von Infekten

Symptome beim follikulären Lymphom

Zu Beginn der FL treten meist keine spezifischen Beschwerden auf. Lymphknotenschwellung, Fieber, Nachtschweiß, sowie ein häufigeres Auftreten von Infekten sind später die häufigsten Anzeichen.

Diagnose des follikulären Lymphoms

Bei einem Verdacht auf ein follikuläres Lymphom geht es an erster Stelle darum, diesen zu bestätigen oder auszuschließen. Ihr Arzt wird zunächst mit Ihnen über Art und Dauer Ihrer Beschwerden sprechen.

Das Abtasten der Körperregionen, an denen viele Lymphknoten liegen, steht im Mittelpunkt der körperlichen Untersuchung: zum Beispiel am Hals, über dem Schlüsselbein, in der Achsel und in der Leiste. Beim Abtasten des Bauchs achtet der Arzt darauf, ob eine Milzvergrößerung vorliegt.

Eine umfassende Blutuntersuchung ist der nächste Schritt. Wenn der Verdacht besteht, dass ein Lymphom vorliegen könnte, wird in der Regel ein Lymphknoten entnommen und mikroskopisch (histologisch) untersucht. Ist die Diagnose „follikuläres Non-Hodgkin-Lymphom“ gesichert, muss der Arzt abklären, welches Krankheitsstadium vorliegt und wie weit sich die Krankheit bereits ausgebreitet hat. Zu diesem Zweck wird er bildgebende Untersuchungsverfahren wie Ultraschall, Röntgen, CT und Kernspintomografie sowie eine Knochenmarkpunktion durchführen.
 

Welche Bedeutung hat das Krankheitsstadium für die Therapie?

Um Ihr Krankheitsbild zu bestimmen, wird das FL in Stadien eingeteilt. Diese Stadieneinteilung hilft dem Arzt zu beurteilen, wie weit sich die Erkrankung ausgebreitet hat und ob mit einer Therapie begonnen werden muss. Abhängig vom Krankheitsstadium Ihres follikulären Lymphoms und davon, welche Symptome es bei Ihnen verursacht, wird Ihr Arzt mit Ihnen mögliche Therapien besprechen. 

Die Einteilung der Stadien erfolgt nach der sogenannten „Ann-Arbor-Klassifikation“. Dabei unterscheiden die Ärzte die Stadien I bis IV. Stadium I bezeichnet den Befall einer einzelnen Lymphknotenregion. In Stadium II sind zwei oder mehr Lymphknotenregionen befallen. Die betroffenen Regionen befinden sich dabei auf nur einer Seite des Zwerchfells, also entweder im Brust- oder im Bauchraum. Im Stadium III sind dagegen Lymphknotenregionen auf beiden Seiten des Zwerchfells betroffen. Stadium IV bedeutet, dass Organe außerhalb des lymphatischen Systems – beispielsweise Knochen, Leber oder Lunge – befallen sind.

Das Lymphom tritt nur in einer Lymphomenregion auf. 

Zwei oder mehrere Lymphknotenregionen sind befallen, aber nur auf einer Seite des Zwerchfells, entweder alle in der Brust oder alle im Bauchraum.

Zwei oder mehrere Lymphknotenregionen sind befallen, sowohl in der Brust als auch im Bauchraum.

Es werden Lymphome in mindestens einem anderen Organ außer den Lymphknoten (zum Beispiel Knochenmark, Leber oder Lunge) gefunden.
 

Das lymphatische System

Wenn Sie verstehen möchten, wie ein follikuläres Lymphom entsteht, ist es hilfreich, zunächst einen Blick auf das lymphatische System unseres Körpers sowie auf die Auswirkungen der Erkrankung zu werfen. Das lymphatische System ist Teil unseres Immunsystems. Ihm kommt eine Schlüsselrolle bei der Abwehr von Infektionen sowie bei der Bekämpfung von Krebs zu. 

Lymphbahnen

Das lymphatische System besteht aus Lymphbahnen, die im Körper ein dichtes Netz feiner Kapillaren bilden, durch die die Lymphflüssigkeit strömt. Mit dieser Lymphflüssigkeit werden u. a. die Lymphozyten, eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen, in alle Regionen des Körpers transportiert. Es gibt B- und T-Lymphozyten, die gemeinsam Krankheitserreger und entartete körpereigene Zellen (Krebszellen) aufspüren und bekämpfen.

Lymphknoten

Die Lymphknoten sind die Kreuzungen der Lymphbahnen: Die Orte, an denen die Krankheitserreger abgefangen und aus dem Lymphsystem „herausgefiltert“ werden. Sie sind auch „Sammelplätze“ für Lymphozyten auf ihrem Weg durch das Lymphsystem und zurück ins Blut. Viele Lymphknoten finden Sie seitlich an Ihrem Hals, in den Achselhöhlen, den Leistenbeugen oder dem Lendenbereich.

Diese Checkliste können Sie einfach herunterladen und ausdrucken. Diese soll Ihnen eine Unterstützung beim Arztgespräch sein: 

Checkliste Diagnose FL

 Wichtige Informationen: Um sich bestmöglich auf das Gespräch mit dem Arzt vorzubereiten, können Sie dieses Infoblatt herunterladen und gegebenenfalls ausdrucken. 

Vorbereitung für das Arztgespräch

Gut sortiert zum Arzt

Im kostenlosen Informationsordner für Lymphom-Patienten können Sie unter anderem Ihre persönlichen Arzt-Unterlagen einheften.

Noch mehr Informationen

Informationen zur Behandlung eines follikulären Lymphoms (FL) erhalten Sie hier