Das follikuläre Lymphom

Das follikuläre Non-Hodgkin-Lymphom ist eine Krebsart, die direkt die Lymphknoten befällt. Es wird auch follikuläres Lymphom (FL) genannt und zählt zu den malignen (bösartigen) Lymphomen. Doch lassen Sie sich nicht zu sehr von dem Begriff „bösartig“ irritieren: Diese Erkrankung schreitet in der Regel langsam voran und ist meist relativ gut behandelbar.

 

Quelle: Bericht zum Krebsgeschehen in Deutschland 2016. Zentrum für Krebsregisterdaten im Robert Koch-Institut (Hrsg). Berlin, 2016

Was ist ein FL?

Das FL ist eine Krebserkrankung des lymphatischen Systems. Dabei teilen sich krankhaft veränderte B-Lymphozyten, eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen, ungehemmt ohne abzusterben und sammeln sich unter anderem in den Lymphknoten an. Dadurch schwellen die befallenen Lymphknoten an und können Schmerzen verursachen.

 

Professor Hiddemann informiert über die Diagnose Follikuläres Lymphom (FL)

In den meisten Fällen ist das FL auf eine Veränderung des Erbguts, eine Mutation, zurückzuführen. Diese Mutation führt zur Zunahme eines bestimmten Eiweißstoffs, dem Protein BCL-2. Dieses verhindert den Zelltod der B-Lymphozyten, wodurch es zu der Ansammlung der veränderten Zellen im lymphatischen Gewebe kommt. Nach heutigem Kenntnisstand ist ein FL nicht vererbbar. Die genauen Ursachen sind jedoch nicht bekannt.

Der Oberbegriff Krebs steht für viele unterschiedliche Erkrankungen. Von Krebs sprechen Mediziner, wenn sich Körperzellen unkontrolliert vermehren. Normalerweise besteht unter den Zellen unseres Körpers ein Gleichgewicht: Zellen sterben ab und werden durch Zellteilung in dem benötigten Maß wieder ersetzt. Verändert sich das Erbgut in den Zellen, spricht man von einer Mutation. Häufen sich Mutationen in einer Zelle, kann dies dazu führen, dass sich diese unkontrolliert teilt und nicht mehr Zeit abstirbt. Durch diesen Gewebezuwachs können dann Tumoren entstehen.

Langsam fortschreitendes FL

Das FL ist die häufigste Form der Non-Hodgkin-Lymphome. Die Erkrankung ist meist langsam fortschreitend und gut kontrollierbar. Je nach Stadium kann das FL oft über einen längeren Zeitraum erfolgreich zurück gedrängt und manchmal auch geheilt werden.

Welche Symptome treten bei einem FL auf?

Ein FL verläuft meist längere Zeit ohne Symptome. Schmerzlose Lymphknotenschwellungen, die langsam zunehmen, können erste Anzeichen sein. Da die Symptome einer Grippe oft stark ähneln wird das FL meist erst spät festgestellt. Daher befinden sich viele Patienten zum Zeitpunkt der Diagnose bereits im fortgeschrittenen Stadium. In fortgeschrittenen Krankheitsstadien können eine erhöhte Infektanfälligkeit und gesteigerte Blutungsneigung auftreten. Zudem kann es zu Veränderungen des Blutbilds kommen. Es liegt meist ein Mangel an verschiedenen Blutzellen vor.

Aber auch in diesem Krankheitsstadium können viele Menschen mit einem behandlungsbedürftigen FL über Jahre hinweg ein ganz normales Leben führen.

Symptome bei einem FL

Typische Symptome bei einem FL sind:

  • Lymphknotenschwellungen
  • Fieber über 38 Grad ohne erkennbare Ursache für mehr als zwei Wochen
  • Nachtschweiß
  • Ungewollter Gewichtsverlust (mehr als zehn Prozent des Körpergewichts innerhalb von sechs Monaten)
  • Abgeschlagenheit und Müdigkeit
  • Erhöhte Blutungsneigung
  • Leistungsminderung
  • Erhöhte Infektanfälligkeit

Wie wird ein FL diagnostiziert?

Um die Diagnose FL stellen zu können, wendet Ihr Arzt verschiedene Untersuchungsmöglichkeiten an. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Erfassung der Krankheitsgeschichte (Anamnese)
  • Körperliche Untersuchung (Ansehen, Abhören, Abtasten, Abklopfen)
  • Umfassendes Blutbild zur Bestimmung verschiedener Blutwerte
  • Knochenmarkpunktion, genetische Untersuchung oder Lymphknotenbiopsie
  • Röntgen-, CT- oder MRT-Aufnahmen

Susanne M. berichtet von dem Moment ihrer Diagnosestellung

Ist die Diagnose FL gestellt, bestimmt Ihr Arzt das Stadium der Erkrankung. Dabei ist zum Beispiel wichtig, wie viele Lymphknoten befallen sind und ob noch andere Organe betroffen sind. Auch unspezifische Symptome wie Nachtschweiß, Fieber und ungewollter Gewichtsverlust werden berücksichtigt.

Die Rolle der Stadieneinteilung bei einem FL

Die Einteilung in Stadien mithilfe der Untersuchungsergebnisse ermöglicht die Beurteilung, ob mit einer Therapie begonnen werden muss. Auch wenn das der Fall ist: Moderne Therapieverfahren können Ihnen über viele Jahre ein beschwerdefreies Leben ermöglichen.

In diesem Einspieler erzählt Susanne M. von ihrer Reaktion nach der Diagnose

Welche Bedeutung hat das Krankheitsstadium für die Therapie?

Die Therapie des FL richtet sich nach dem Stadium der Erkrankung. In der Regel ist eine medikamentöse Behandlung erst notwendig, wenn klinische Symptome auftreten. Sind keine Symptome vorhanden, reicht es oft aus, dass der Arzt die Erkrankung überwacht, ohne mit einer Behandlung zu beginnen.

Die Einteilung des FL erfolgt nach der sogenannten „Ann-Arbor-Klassifikation“ in vier Stadien.

Stadium 1: Eine einzelne Lymphknotenregion oder eine begrenzte Region außerhalb eines Lymphknotens ist befallen.

Stadium 2: Zwei oder mehr Lymphknotenregionen sind befallen oder es ist zusätzlich zu den Lymphknoten noch eine weitere Region betroffen. Die betroffenen Regionen befinden sich alle auf der gleichen Seite des Zwerchfells, also entweder im Brust- oder im Bauchraum.

Stadium 3: Lymphknoten oder eine weitere Region auf beiden Seiten des Zwerchfells sind betroffen.

Stadium 4: Organe außerhalb des lymphatischen Systems – beispielsweise Knochen, Leber oder Lunge – sind betroffen.

Treten die Symptome Fieber, Nachtschweiß und Gewichtsverlust auf, erhalten die Stadien den Zusatz „B“. Fehlen diese Symptome, dann bekommen sie den Zusatz „A“. Die Stadien 1 bis 3A werden als indolent bezeichnet, das heißt sie wachsen langsam. Stadium 3B hingegen wird als aggressiv bezeichnet.

Zusätzlich zu den Stadien gibt es noch Risikofaktoren, die einen Einfluss auf die Therapie haben.

Wie verläuft ein FL?

Der Verlauf einer FL-Erkrankung kann sehr unterschiedlich sein. Meist schreitet die Krankheit zu Beginn sehr langsam voran. In diesem frühen Stadium werden nur 15 bis 20 Prozent aller FL erkannt. Hier bestehen noch sehr gute Heilungschancen. Sobald die Erkrankung ein fortgeschrittenes Stadium erreicht hat, ist das FL trotz immer neuer und besserer Therapieoptionen nicht mehr vollständig heilbar. Es lässt sich jedoch meist gut unter Kontrolle halten und das weitere Fortschreiten der Krankheit kann verlangsamt werden.

Auf Grund der sehr unterschiedlichen Verläufe des FL sind auch die Überlebenszeiten sehr variabel. Sie können von einigen Jahren bis über zwei Jahrzehnten reichen. Das ist nicht nur vom Krankheitsstadium, sondern auch von Ihrem Alter, von eventuellen weiteren Erkrankungen und Ihrer seelischen Verfassung abhängig.

Informationen für das Arztgespräch

Im Arztgespräch erhalten Sie meist viele neue Informationen. Es ist schwierig, sich immer alles zu merken und so passiert es leicht, dass Sie Fragen vergessen, die Sie eigentlich stellen wollten. Deshalb ist eine gute Vorbereitung auf das Arztgespräch sehr wichtig. Hier können Sie sich eine Checkliste mit möglichen Fragen zur Diagnose FL und Tipps zur Vorbereitung auf das Gespräch herunterladen und ausdrucken.

Checkliste Diagnose FL

Vorbereitung für das Arztgespräch

Noch mehr Informationen

Informationen zur Therapie eines follikulären Lymphoms (FL) erhalten Sie hier.

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