Soll ich bei einer Krebserkrankung auf Zucker verzichten?

Was ist dran, an den zahlreichen Berichten über die schädliche Wirkung von Zucker auf Krebserkrankungen? Kann Zucker wirklich das Wachstum der Krebszellen anregen? Oder andersrum gefragt: Kann der Verzicht auf Zucker zur Bekämpfung einer Krebserkrankung beitragen?

Zucker und Krebs – dieses Thema taucht immer wieder auf. Wir schauen etwas genauer hin, um herauszufinden, was wirklich hinter dieser Verbindung steckt.

Kohlenhydrate – Hauptenergielieferant für den Körper

Zucker ist ein Kohlenhydrat und damit Hauptenergielieferant für unseren Körper. Kohlenhydrate kommen in unterschiedlichen Formen vor. Je nachdem, wie komplex solch ein Kohlenhydrat- oder Zuckermolekül ist, unterscheidet man ganz grob zwischen Einfach- und Mehrfachzucker. Einfachzucker liefern unserem Körper sofort Energie. Sie finden sich in hoher Konzentration zum Beispiel in Früchten oder Honig. Mehrfachzucker aus Gemüse oder Getreide zerlegt der Körper bei der Verdauung zu dem Einfachzucker Glukose, den er dann rasch verwerten kann. Jede Körperzelle benötigt Glukose zum Leben. Besonders unser Gehirn ist auf Glukose angewiesen.

 

Zucker – Nahrung für Krebszellen?

Krebszellen haben eine Besonderheit: Für ihren Energiestoffwechsel benötigen sie fast ausschließlich Zucker in Form von Glukose. Steht viel Glukose zur Verfügung, können sie sich besonders schnell vermehren. Wenn wir Kohlenhydrate komplett aus unserem Speiseplan streichen, um den Krebszellen die Nahrung zu entziehen, würde unser Körper Glukose aus anderen Nahrungsbestandteilen etwa aus Fett oder Eiweiß herstellen. Wir können also Glukose nicht aus unserem Energiestoffwechsel verbannen. Aber wir können unseren Energiestoffwechsel positiv beeinflussen, indem wir möglichst wenige Einfachzucker wie Glukose oder Fruktose zu uns nehmen.

 

Zuviel Zucker ist schädlich

Auch Kristallzucker zum Beispiel wird rasch vom Blut aufgenommen und erhöht dort schlagartig den Zuckerspiegel. Der Körper schüttet daraufhin das Hormon Insulin aus, um die Zuckermoleküle umzubauen. Insulin seinerseits kann indirekt das Wachstum von Krebszellen anregen und Entzündungen fördern. Ein langfristig erhöhter Insulinspiegel wirkt sich insgesamt ungünstig auf die Gesundheit aus. Daher ist es wichtig, ihn möglichst stabil zu halten und zum Beispiel auf Naschereien stark zuckerhaltiger Nahrungsmittel zwischendurch zu verzichten.

 

Komplexe Kohlenhydrate regulieren die Insulinausschüttung

Experten raten dazu, sich möglichst ausgewogen zu ernähren und lieber auf Lebensmittel zurückzugreifen, die den Blutzuckerspiegel nur langsam ansteigen lassen. Geeignet ist eine ballaststoffreiche Kost, Gemüse und Vollkorngetreide. Denn hier liegen die Kohlenhydrate in großen Molekülen vor, die der Körper erst aufspalten muss, um sie verwerten zu können. Eine plötzliche Ausschüttung von viel Insulin ist also hier gar nicht nötig, da der Körper einige Zeit für die Aufspaltung der Kohlenhydrate braucht. Daher halten solche Nahrungsmittel auch länger satt.

 

Tipp:

Sie müssen natürlich nicht auf Süßspeisen verzichten. Viele Rezepte lassen sich einfach abwandeln: Reduzieren Sie den Zucker etwas und verwenden Sie Vollkornmehl statt Weißmehl. Den Zucker komplett durch Süßstoff zu ersetzen ist nicht ratsam, da noch nicht ausreichend bekannt ist, wie sich dieser auf die Gesundheit auswirkt.

 

Quellen:

Klement and Kämmerer. (2011). Is there a role for carbohydrate restriction in the treatment and prevention of cancer? Nutrition & Metabolism, 8:75.

Schernhammer, E. S. et al. (2012). Consumption of artificial sweetener– and sugar-containing soda and risk of lymphoma and leukemia in men and women. Am J Clin Nutr, 96:1419–28.

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Marcus D. Goncalves1,2, Changyuan Lu3, Jordan Tutnauer1 et al. (2019). High-fructose corn syrup enhances intestinal tumor growth in mice. Science, Vol. 363, Issue 6433, pp. 1345-1349, DOI: 10.1126/science.aat8515

Huang Y et al. (2016). Prediabetes and the risk of cancer: e meta-analysis. Diabetologia 57

Diabetes und Krebs: Diabetesinformationsdienst München. www.diabetesinformationsdienst-muenchen.de/erkrankungsformen/folgeerkrankungen/diabetes-und-krebs/index.html