Wahrheit oder Mythos – Was ist dran an speziellen Ernährungstipps bei Krebs?

Ernährung kann zur Gesundheit beitragen, Ernährung kann aber auch krank machen. Doch kann Ernährung auch heilen?

Es gibt zahlreiche Tipps, Bücher und Sendungen über die richtige Ernährung bei Krebs. Von speziellen Diäten über rein pflanzliche Ernährung, Fasten und zuckerfreien Speisen ist alles dabei. Viele dieser Ratschläge sind gut gemeint, sollten jedoch immer kritisch hinterfragt werden.

Wie hilfreich sind Krebsdiäten?

Sogenannte Krebsdiäten basieren meist auf der Annahme, dass ein Mangel oder ein Überschuss von Stoffen an der Erkrankung beteiligt ist. Die Diät soll dies ausgleichen und so zur Heilung beitragen. Oft gibt es klare Regeln und Vorschriften, welche Lebensmittel erlaubt und welche tabu sind.  Eine Diät empfiehlt beispielsweise, sechs Wochen lang ausschließlich Gemüsesäfte und Tee zu trinken. Bei einer anderen ist das Essen von Kohlenhydraten und Zucker untersagt. Eine weitere basiert auf einem hohen Eiweiß- und Öl-Verzehr.

Die unterschiedlichen Diäten haben meist eins gemeinsam: Sie empfehlen den Verzicht auf verschiedene Lebensmittel. Bei einseitigen Ernährungsformen ist jedoch besondere Vorsicht geboten. Sie können Mangelerscheinungen begünstigen und es besteht die Gefahr, dass der Körper nicht ausreichend mit Energie versorgt wird. Wenn Sie durch die Erkrankung oder die Behandlung bereits geschwächt sind, kann dies die Gesundheit zusätzlich beeinträchtigen. Bisher konnte für keiner der Diäten ein Effekt auf das Überleben wissenschaftlich nachgewiesen werden. 

 

Vitamine als Tablette – Nahrungsergänzungsmittel

Zahlreiche Vitamine und Mineralstoffe sind als Brausetablette, Kapsel oder Trinkfläschchen in Drogeriemärkten und Apotheken erhältlich. Das Angebot an Präparaten ist groß. Es gibt sehr günstige und sehr teure sowie unterschiedliche Dosierungen. Viele Menschen greifen zu Nahrungsergänzungsmitteln, um sich etwas Gutes zu tun und ihre Gesundheit zu unterstützen. Bei einer ausgewogenen Ernährung ist dies in der Regel nicht notwendig, da der Körper ausreichend mit allen Nährstoffen versorgt wird.

Bei einer Erkrankung kann es jedoch zu Mangelzuständen kommen. Dies kann verschiedene Ursachen haben und nicht jeder Nährstoffmangel ist gleich mit einem schädlichen Effekt auf die Gesundheit verbunden. Um festzustellen, ob ein Mangel vorliegt, untersucht der Arzt meist eine Blutprobe. So kann er genau bestimmen, welches Vitamin oder welche Substanz zu wenig vorliegt. Muss dies behandelt werden, kann er Ihnen gezielt ein Präparat in der richtigen Dosierung verordnen. Sprechen Sie daher immer erst mit Ihrem Arzt, bevor Sie ein Präparat einnehmen. So verhindern sie, unnötig weitere Tabletten zu schlucken und können sicher gehen, dass sich das Nahrungsergänzungsmittel mit Ihrer Therapie verträgt.

 

Umstrittener Zucker

Zucker hat, was Krebserkrankungen angeht, keinen guten Ruf. Es wird viel darüber diskutiert, ob bei einer Krebserkrankung auf Kohlenhydrate und Zucker verzichtet werden sollte, um den Tumor nicht noch zusätzlich mit Energie zu versorgen. Bisher konnte noch nicht belegt werden, dass sich der Verzicht auf Zucker förderlich auf die Erkrankung auswirkt. Es ist daher fraglich, ob der Verzicht etwas nutzt. Für die meisten Krebspatienten ist es nicht ratsam, komplett auf Kohlenhydrate und Zucker zu verzichten, da dies meist mit einer zusätzlichen Gewichtsabnahme verbunden ist. Sie dürfen ruhig ein Stück Kuchen genießen, wenn Ihnen danach ist.

 

Die Mischung macht’s

Sicher ist, dass sich ein guter Ernährungszustand positiv auf die Krebstherapie auswirkt. Der Körper ist belastbarer und kann besser mit Infektionen und Nebenwirkungen umgehen. Versuchen Sie, sich möglichst abwechslungsreich zu ernähren. Aber setzen Sie sich nicht unter Druck. Hören Sie auf Ihren Körper und essen Sie, was Ihnen schmeckt.

 

Quellen

J. Hübner, S. Marienfeld, C. Abbenhardt, C. M. Ulrich, C. Löser. How Useful are Diets against Cancer? A Critical Analysis as Basis for Counseling Patients. TumorDiagn u Ther 2013; 34(2): 85-90

https://www.krebsinformationsdienst.de/vorbeugung/risiken/mythen.php

 

 

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