Müssen Lymphompatienten ihre Ernährung umstellen?

Gesundes Essen allein kann den Krebs nicht heilen. Aber eine gesunde Ernährung unterstützt den Körper beim Kampf gegen die Lymphomerkrankung. Fachleute sprechen von „Ernährungssupport“ und plädieren dafür, so lange wie möglich normal zu essen. Erst bei Bedarf, etwa bei ungewolltem Gewichtsverlust, sollten Patienten ihre Ernährung anpassen – mit Unterstützung von Ernährungsfachkräften.

Die Diagnose Lymphom erfordert in der Regel keine spezielle Ernährungsumstellung. Wenn nicht anders von Ihrem Arzt verordnet, essen Sie, worauf Sie Lust haben und was Ihnen schmeckt. Sind Sie aber nicht ausreichend versorgt, muss abgeklärt werden, ob die Lymphomerkrankung selbst der Auslöser ist oder ob die Therapie der Grund für eine Mangelversorgung sein kann. Eine individuelle Ernährungsumstellung und -therapie kann Ihre körperliche Fitness und Ihre Lebensqualität verbessern.

Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob eine Ernährungsberatung oder -umstellung für Sie medizinisch sinnvoll ist. Er kann Ihnen auch Ansprechpartner vermitteln. In einigen Krebszentren gehört eine Ernährungsberatung zum Behandlungskonzept, auch wenn Sie ambulant behandelt werden. In der Reha im Anschluss an Ihre Krebsbehandlung gehören Informationen zu Ernährung bis hin zu einer individuellen Beratung oder Schulung zum Programm. Gelegentlich werden auch spezielle Kochkurse angeboten.

 

Die individuelle Ernährungssituation bestimmen

Wenn Ihr Arzt Ihnen eine Ernährungstherapie verordnet, wird eine Ernährungsfachkraft oder ein ernährungsmedizinisch geschulter Arzt in einem ersten Schritt Ihre aktuelle Ernährungssituation ermitteln. Ob sie in irgendeiner Form an einer Mangelversorgung leiden, können viele Betroffene für sich selbst gar nicht eindeutig beantworten. Das Gewicht allein ist nämlich nicht ausschlaggebend. Mithilfe von Tests und einer Befragung führt der Ernährungstherapeut deshalb zunächst ein sogenanntes Ernährungsscreening durch.

Es geht darum,

  • welche Medikamente Sie derzeit einnehmen
  • ob es Vorerkrankungen gibt, zum Beispiel Diabetes
  • ob Sie Gewicht verloren haben
  • wieviel Sie tatsächlich essen und trinken
  • wieviel Sie sich bewegen
  • was Ihnen schmeckt
  • was Ihnen nicht bekommt
  • was Sie möglicherweise nicht riechen können
  • ob Sie lieber alleine oder in Gesellschaft essen
  • ob Sie Unverträglichkeiten oder Allergien haben,
  • ob Sie an Appetitlosigkeit leiden
  • ob Sie Einschränkungen beim Schlucken oder Kauen haben

Der Ernährungsberater wird mit Ihnen zusammen einen ausführlichen individuellen Ernährungsplan erstellen und Sie darin unterstützen, diese neue Gewohnheit umzusetzen.

 

Vorsicht bei Medikamenten und speziellen Lebensmitteln

Manchmal kann es zwischen Lebensmitteln oder Nährstoffen  und bestimmten Medikamenten zu Wechselwirkungen kommen. Das wohl bekannteste Beispiel ist die Grapefruit: Sowohl das Obst als auch ihr Saft können die Wirkung von Medikamenten abschwächen. Auch der Griff zu Vitaminen oder Mineralstoffen wird nicht immer empfohlen, da  sie theoretisch die  Wirkung einer Strahlentherapie beeinträchtigen können.

 

Chemotherapie und Infektionsgefahr

Eine Chemotherapie und besonders eine Hochdosistherapie im Zusammenhang mit einer Stammzelltransplantation schwächen das Immunsystem. Die Anzahl spezieller weißer Blutkörperchen, die für die Abwehr von Bakterien zuständig sind, sogenannte Granulozyten, ist durch die Therapie stark reduziert. Das macht Patienten anfälliger für bakterielle Infektionen. Um die Keimbelastung möglichst niedrig zu halten, sollten Sie daher bei Ihrer Ernährung ungeschältes Obst, rohe Salate oder Gemüse, Nüsse, Rohmilch- oder Schimmelkäse sowie Joghurt meiden. Auch hier können Sie von einer Ernährungsberatung profitieren.

 

Zertifizierte Ernährungsberater in Ihrer Nähe

Einen zertifizierten Ernährungstherapeuten in der Nähe oder weitere Ansprechpartner kann Ihnen Ihr Arzt oder Ihre Krankenkasse empfehlen. Krebszentren bieten häufig eine qualifizierte Ernährungsberatung an. Ist Sie von Ihrem Arzt verordnet, übernehmen die Krankenkassen ganz oder anteilig die Kosten. Fragen Sie gezielt nach.

 

Hier finden Sie qualifizierte Ernährungstherapeuten

Berufsverband der Oecotrophologen (VDOe):
www.vdoe.de/experten-suche.html

Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE):
www.dge.de/service/ernaehrungsberater-dge/

Bundesverband Deutscher Ernährungsmediziner e. V. (BDEM):
www.bdem.de/index.php?page=18

 

Quellen:

Deutsches Krebsforschungszentrum | Ernährungstherapie

https://www.krebsinformationsdienst.de/behandlung/ernaehrung-therapie-gewichtsverlust.php#inhalt3

Deutsche Krebsgesellschaft | Ernährung und Krebs

https://www.krebsgesellschaft.de/basis-informationen-krebs-bewusst-leben-ernaehrung.html

Deutsche Krebshilfe | Blauer Ratgeber: Ernährung bei Krebs

https://www.krebshilfe.de/infomaterial/Blaue_Ratgeber/Ernaehrung-bei-Krebs_BlaueRatgeber_DeutscheKrebshilfe.pdf

Verbraucherzentrale NRW | Wie ernähre ich mich bei Krebs?

https://www.ratgeber-verbraucherzentrale.de/gesundheit-pflege/wie-ernähre-ich-mich-bei-krebs-46006748

Tumorzentrum München | Ernährung bei Krebserkrankungen

https://www.tumorzentrum-muenchen.de/ernaehrung.html

Hämatologie Uni Essen

http://www.haematologie-uni-essen.de/fileadmin/data_haematologie/pdf-Dateien/Patienten_Info_Einwilligung/Hochdosistherapie-Haematologie-UK_Essen.pdf

DAZ | Arzneimittelinteraktion mit Grapefruit

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2013/daz-7-2013/arzneimittelinteraktionen-mit-grapefruit