Therapie bei einem DLBCL-Rückfall

Die Chancen, dass ein DLBCL vollständig besiegt werden kann, liegen mittlerweile bei 60 bis 70 Prozent. Wenn es doch zu einem Rückfall kommen sollte, wird Ihr Arzt mit Ihnen besprechen, welche Behandlungsstrategie in Ihrem Fall den besten Erfolg verspricht. Die angewandte Therapie hängt unter anderem von Ihrem Alter und Ihrem körperlichen Allgemeinzustand ab. Wichtig ist auch die Dauer Ihrer krankheitsfreien Zeit. Im Folgenden erhalten Sie einen Überblick über die möglichen Therapieoptionen.

Hans-Dieter R. beschreibt in diesem Einspieler, wie er mit einem möglichen Rückfall umgeht

DLBCL-Therapie für Patienten bis 70 Jahre

Sie sind jünger als 70 Jahre, haben keine einschränkenden Begleiterkrankungen (Komorbiditäten) und waren länger als 12 Monate in Remission? Dann wird Ihr Arzt Ihnen vermutlich zu einer Salvage-Therapie (salvage = Rettung) mit anschließender Hochdosistherapie und einer autologen Stammzelltransplantation  raten.

Beträgt Ihre krankheitsfreie Zeit jedoch weniger als 12 Monate, sprechen Sie nicht auf eine Chemotherapie an oder erleiden Sie nach einer Hochdosistherapie einen Rückfall, dann kommen für Sie andere Therapieoptionen infrage. Zwei Möglichkeiten sind die allogene Stammzelltransplantation und die CAR-T-Zelltherapie.

Sollten auch diese beiden Behandlungsmethoden nicht anschlagen, gibt es beispielsweise experimentelle Ansätze, in denen Sie an Medikamentenstudien teilnehmen können. Zudem werden Ihre Ärzte Ihre Therapie so anpassen, dass sie vor allem ihre Schmerzen und Beschwerden lindert (palliative Therapie).

DLBCL-Therapie für Patienten über 70 Jahre

Sind Sie fortgeschrittenen Alters, ist eine Stammzelltransplantation oft aufgrund des Alters oder Komorbiditäten nicht mehr so einfach möglich. Dazu gehören beispielsweise eine Herzinsuffizienz und eine eingeschränkte Leber- oder Nierenfunktion.

Wenn Sie für eine lange Zeit in Remission waren, ist eine Immunchemotherapie eine gute Möglichkeit zur kurativen Behandlung. Diese kann sich im Wirkmechanismus von der Immunchemotherapie bei der Erstdiagnose unterscheiden, da andere Antikörper und ein anderes Zytostatikum verwendet werden können.

War der Zeitraum der Remission nur kurz, werden Sie palliativ oder mit der CAR-T-Zelltherapie behandelt, für die es keine Altersbeschränkung gibt.

Stammzelltransplantation bei einem DLBCL

In bestimmten Fällen, beispielsweise bei Rückfällen, kann eine Stammzelltransplantation infrage kommen. Hierbei wird zwischen autologer und allogener Stammzelltransplantation unterschieden.

 

Autologe Stammzelltransplantation bei einem DLBCL

Autolog bedeutet, dass Sie eigene, aufbereitete Stammzellen erhalten. Ihnen werden nach der Salvage-Therapie Stammzellen entnommen. Danach vernichtet die Hochdosistherapie alle Krebszellen und zerstört dabei Ihr Immunsystem und Ihr blutbildendes System. Durch die Transplantation Ihrer eigenen Stammzellen baut Ihr Körper ein neues blutbildendes System auf und mit ihm auch neue Immunzellen.

Bei einer autologen Stammzelltransplantation besteht das Risiko, dass Ihnen dabei wieder entartete Zellen zugeführt werden, die die vorherige Chemotherapie überlebt haben. Zudem sind Sie anfälliger für Infekte, da Ihr Immunsystem zeitweise nicht funktioniert.

Allogene Stammzelltransplantation bei einem DLBCL

Allogen bedeutet, dass die Blutstammzellen oder das Knochenmark von einem Familien- oder Fremdspender stammen. Die Gewebemerkmale des Spenders müssen mit denen des Empfängers zu einem möglichst hohen Prozentsatz übereinstimmen, damit es nicht zu Abwehrreaktionen kommt. Nahe Verwandte sind daher öfter geeignete Spender.

Noch vor der Stammzelltransplantation erhalten Sie eine Hochdosistherapie. Diese soll alle Krebszellen vernichten und zerstört dabei Ihr Immunsystem und alle blutbildenden Zellen. Die Stammzellen des Spenders siedeln sich im Idealfall in Ihrem Knochenmark an und produzieren dort neue und gesunde Blutzellen sowie Immunzellen.

 

Neben einem neuen blutbildenden System erhalten Sie als Empfänger so auch ein neues Immunsystem, da sich aus den Blutstammzellen auch Immunzellen entwickeln. Die Chance besteht, dass unter Umständen restliche Krebszellen im Körper identifiziert und zu bekämpft werden. In seltenen Fällen kommt es so zu einer Heilung der Krankheit, meist wird die Erkrankung zumindest unter Kontrolle gehalten.

Bei der allogenen Stammzelltransplantation gibt es spezielle Risiken. Zum einen ist wie bei der autologen Stammzelltransplantation die Infektionsgefahr deutlich erhöht, weshalb in den ersten Wochen das Ansteckungsrisiko so gering wie möglich gehalten werden sollte.

Es besteht auch die Möglichkeit, dass es zu Unverträglichkeiten zwischen Spenderzellen und Empfänger kommt. Zum einen kann es passieren, dass der Körper des Empfängers die transplantierten Stammzellen des Spenders nicht annimmt und es zu einer Abstoßungsreaktion kommt. Zum anderen können sich die Immunzellen des Spenders gegen den Empfänger richten und eine sogenannte Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion (englisch: Graft-versus-Host-Disease) auslösen. Daher werden Patienten nach einer Stammzelltransplantation sorgfältig im Krankenhaus überwacht. Um diese unerwünschten Immunreaktionen zu verhindern, werden Medikamente eingesetzt, die die Aktivität des Immunsystems senken.

Diese Risiken können durchaus lebensbedrohlich sein. Diese bespricht Ihr Arzt persönlich mit Ihnen. Gemeinsam entscheiden Sie dann, ob eine allogene Stammzelltherapie für Sie infrage kommt.

Voraussetzung für eine Stammzelltransplantation

Eine Stammzelltransplantation ist für die Patienten belastend und mit gewissen Risiken verbunden. Deshalb wird dieses Verfahren vor allem bei Patienten angewandt, die sich in einem möglichst guten Allgemeinzustand befinden.

Um Abstoßungsreaktionen Ihres neuen Immunsystems gegen Ihren Körper zu vermeiden, unterdrücken bestimmte Medikamente das Immunsystem nach der Transplantation. Dadurch sind Sie sehr anfällig für Infektionen und Ihr Immunsystem ist für ungefähr ein Jahr außer Kraft gesetzt. Da auch das Blutsystem betroffen ist, können Sie zu Beginn unter einer Aplasie (Blutzellmangel) leiden. Während rote Blutkörperchen und Thrombozyten per Infusion verabreicht werden können, dauert es etwa zehn bis 20 Tage, bis sich die ersten weißen Blutkörperchen neu gebildet haben.

Die möglichen Spätfolgen einer Stammzelltherapie sind meist die Auswirkungen der vorangehenden Chemo- oder Strahlentherapie. Dazu gehören Unfruchtbarkeit, verfrühte Wechseljahre bei Frauen oder der Graue Star. Manchmal treten auch Zweittumoren auf. Viele der Spätfolgen sind jedoch behandelbar.

Auch wenn die Nebenwirkungen und Spätfolgen einer Stammzelltherapie abschreckend erscheinen, ist diese Behandlungsmethode oft die einzige Chance auf eine wirkliche Heilung der Erkrankung.

CAR-T-Zelltherapie bei einem DLBCL

Eine weitere Möglichkeit zur Behandlung des DLBCL ist die CAR-T-Zelltherapie. Diese Therapie kommt für Patienten, bei denen die Erkrankung erneut auftritt oder nicht auf die bisherige Behandlung anspricht, infrage. Hierbei werden bestimmte Immunzellen des Patienten genutzt, die sogenannten T-Zellen. Die T-Zellen werden aus dem Blut des Patienten entnommen, im Labor verändert und dem Patienten wieder zurückgegeben. Das Besondere dabei ist, dass die veränderten T-Zellen im Körper gezielt Krebszellen angreifen und bekämpfen können.

Die dem Patienten entnommenen T-Zellen werden so umprogrammiert, dass sie einen speziellen Rezeptor produzieren. Dieser Rezeptor heißt CAR (chimärer Antigenrezeptor) und kann bestimmte Oberflächenstrukturen auf den Krebszellen binden. Die T-Zelle kann daraufhin die gebundene Krebszelle zerstören. Da es sich um lebende Zellen handelt, können sich die CAR-T-Zellen im Körper vermehren. Es entstehen also immer mehr Immunzellen, welche die Krebszellen erkennen und bekämpfen können.

Wie bei allen Therapien kann es auch durch die CAR-T-Zelltherapie zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen.

Durch die Zerstörung der Krebszellen werden große Mengen an Botenstoffen (Zytokine) freigesetzt, die hohes Fieber und gefährliche Organschäden verursachen können. Weitere mögliche Nebenwirkungen sind Schädigungen der Nerven und das Tumorlysesyndrom. Dieses kann ebenfalls durch den schnellen Abbau der Krebszellen entstehen. Das Risiko hierfür ist in den ersten fünf Wochen der Behandlung am höchsten. Daher sollte in dieser Zeit besonders auf Symptome wie Fieber, Kurzatmigkeit sowie dunkler und trüber Urin geachtet werden. Das Risiko hierfür kann durch eine möglichst hohe Trinkmenge von 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit pro Tag gesenkt werden. Daneben kann es zu Schüttelfrost, zu hohem oder zu niedrigem Blutdruck, Magen-Darm-Beschwerden und einer erhöhten Blutungsneigung kommen.

Hier sind nur die häufigsten und typischen Nebenwirkungen der Antikörpertherapie bei DLBCL aufgeführt. Die Zusammenstellung ist jedoch nicht vollständig. Bitte informieren Sie sich über weitere Nebenwirkungen in der Gebrauchsanweisung und fragen Sie Ihren Arzt.

Immunchemotherapie bei einem refraktären oder rezidivierten DLBCL

Ist das DLBCL gegenüber der Therapie unempfindlichen (refraktär) oder tritt erneut auf (rezidiviert), ist die Immunchemotherapie eine Behandlungsoption. Der Unterschied zur Erstlinientherapie ist der Wirkmechanismus des eingesetzten Medikaments.

Bei dieser Immunchemotherapie erhalten Sie ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat, bestehend aus einem Antikörper und einem Wirkstoff, in diesem Fall ein Zytostatikum.  Der Antikörper transportiert das Zytostatikum zur Tumorzelle. Er erkennt ein spezielles Oberflächenprotein, das CD79b, welches ausschließlich auf DLBCL-Zellen vorkommt. Somit werden gesunde Zellen geschont und nur die Krebszellen angegriffen. Wenn der Antikörper ein CD79b-Oberflächenprotein entdeckt hat, bindet er an es und somit an die Krebszelle. Daraufhin werden der Antikörper und das Zytostatikum in die Zelle aufgenommen und das Zytostatikum kann seine Wirkung entfalten. Das führt zum Absterben der Krebszelle (Apoptose).

Da die Immunchemotherapie aus einer Antikörpertherapie und einer Chemotherapie besteht, können Nebenwirkungen beider Substanzen auftreten. Nähere Informationen finden Sie unter den Punkten Antikörpertherapie und Chemotherapie.

Topoisomerase-Hemmer bei einem DLBCL

Diese Therapie kann vor allem bei Patienten mit zusätzlichen Erkrankungen (Komorbiditäten) eingesetzt werden. Manche Zytostatika können bei einer Herzinsuffizienz oder bei eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion nicht mehr eingesetzt werden. In diesen Fällen ist der Einsatz von Topoisomerase-Hemmern gefragt. Sie gehören zu den Zytostatika und werden oft in Kombination mit anderen Medikamenten intravenös verabreicht. Beispielsweise können sei bei einer Immunchemotherapie ein anderes Zytostatikum ersetzen.

Sie verringern – wie der Name andeutet – die Aktivität der Topoisomerasen. Das sind Enzyme, die die Zelle während der Vervielfachung ihrer DNA (Replikation) benötigt. Eine Hemmung der Topoisomerasen hat zur Folge, dass die Krebszelle ihre DNA nicht mehr richtig duplizieren kann. Die Zellteilung ist gestört und die Zelle stirbt ab.

Topoisomerase-Hemmer beeinträchtigen nicht nur die Erbsubstanz von Krebszellen, sondern auch die von gesunden Zellen. Das erhöht das Risiko, Jahre später beispielsweise an Leukämie zu erkranken. Durch regelmäßige Nachuntersuchungen können Spätfolgen der Therapie jedoch frühzeitig erkannt und behandelt werden.

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