Die Behandlung beim DLBCL

Das grundsätzliche Ziel der Behandlung beim diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom ist die Heilung der Erkrankung – nicht nur, dessen Verlauf hinauszuzögern.

Die Behandlung eines DLBCL

Von Krebs sprechen Mediziner, wenn sich Körperzellen unkontrolliert vermehren und nicht absterben. Normalerweise besteht unter den Tausenden von Milliarden von Zellen unseres Körpers ein Gleichgewicht: Zellen sterben ab und durch Zellteilung werden diese genau in dem benötigten Maß wieder ersetzt. Verändern sich Zellen in ihrem Erbgut, spricht man von Mutation. Häufen sich diese Mutationen in einer Zelle, kann dies dazu führen, dass sich diese unkontrolliert vermehrt. Im Gegensatz zu gesunden Zellen sterben die mutierten Zellen nicht nach einer gewissen Zeit ab, sondern nehmen in ihrer Anzahl ständig zu. Zellteilung und neu entstandenes Gewebe sind nun außer Kontrolle, Tumore können entstehen.

Aggressive Lymphome

Bei aggressiven Lymphomen wird grundsätzlich eine "kurative Therapie" angestrebt. Ca. 60% aller Patienten können dauerhaft geheilt werden.

Die häufigste Behandlungsform beim DLBCL ist die Antikörper- und Chemotherapie

Zu diesem Zweck ist eine intensive Behandlung notwendig, die weitere Untersuchungen zu Ihrem allgemeinen Gesundheitszustand erforderlich machen. Ihr Arzt wird unter Umständen mit Hilfe von EKG, Ultraschalluntersuchung des Herzens und Lungenfunktionstests prüfen, wie gut Ihre körperlichen Voraussetzungen für eine Therapie sind. 

Normalerweise wird das DLBCL medikamentös in Form einer Mischung aus Antikörpertherapie und Chemotherapie behandelt. Die Therapie und die Dosierung richten sich nach dem Stadium der DLBCL-Erkrankung, Ihrem Alter, Ihrem gesundheitlichen Allgemeinzustand und bestimmten Blutwerten. Wichtig ist, dass zeitnah mit der Therapie begonnen wird, da DLBCL in der Regel eine rasch voranschreitende Erkrankung ist. In zwei Dritteln aller Fälle mit fortgeschrittener Erkrankung wird eine komplette Remission, also ein dauerhafter Rückgang der DLBCL-Erkrankung, erreicht.

Antikörper- und Chemotherapie beim DLBCL

Eine Antikörper- und Chemotherapie ist, wie der Name schon beschreibt, eine Kombination aus Antikörpertherapie und Chemotherapie und wird meist ambulant durchgeführt. Die Kombination mehrerer Wirkstoffe führt zu einer wirksameren DLBCL-Therapie und verbesserten Behandlungsergebnissen.

Die Entscheidung über die jeweilige Therapie muss selbstverständlich für jeden Patienten individuell getroffen werden. Das heißt die Zyklen und die Dauer Ihrer individuellen Therapie legt Ihr behandelnder Arzt fest.

Antikörpertherapie beim DLBCL

Eine Antikörpertherapie wirkt überwiegend durch Aktivierung des körpereigenen Immunsystems. Sie unterscheidet sich in ihrer Wirkungsweise damit grundlegend von der Chemotherapie.

Das Prinzip der Antikörpertherapie beim DLBCL beruht auf der gezielten Erkennung und Vernichtung von Krebszellen. Zellen in anderen Entwicklungsstufen werden nicht angegriffen. Beim DLBCL stehen verschiedene Präparate für die Antikörpertherapie zur Verfügung. Diese sind sogenannte monoklonale Antikörper spezielle Eiweiße, die die bestimmten Oberflächen der B-Lymphozyten von Tumorzellen erkennen und sich gezielt an diese andocken.

Antikörper

Antikörper erkennen Krebszellen und lösen im Körper Mechanismen aus, die das Immunsystem stimulieren, um kranke Zellen abzutöten. Durch die Antikörpertherapie wurden in den letzten Jahren enorme Fortschritte in der Behandlung des diffusen großzelligen B-Zell-Lymphoms gemacht.

Durch das Andocken geschehen zwei Dinge: Die körpereigene Abwehr wird aktiviert, um dann die Krebszelle abzutöten. Zusätzlich hat der Antikörper ebenfalls eine direkte, abtötende Wirkung auf die betreffende Zelle. Bildlich gesprochen funktionieren monoklonale Antikörper in Verbindung mit Krebszellen wie ein Schlüssel-Schloss-Prinzip, dessen Ergebnis die gezielte Tötung der Krebszelle ist. 

Der an CD20 gebundene Antikörper kann Zellen des Immunsystems dazu bringen, die gebundene Lymphomzelle zu zerstören. Während er mit seiner variablen Region an CD20 bindet (a), kann der freie "Stamm" (b) der konstanten Region vom Immunsystem des Körpers erkannt werden: Einige Zellen, zum Beispiel sogenannte Natürliche Killerzellen, besitzen auf ihrer Oberfläche Andockstellen, die den Antikörper erkennen. Kommt diese Verbindung zustande, zerstört die Killerzelle die Lymphomzelle (zellvermittelter Zelltod), vermittelt durch den Antikörper.

Die Tatsache, dass es verschiedene Antikörperpräparate gibt, die bei unterschiedlichen Lymphomen unterschiedlich gut wirken, ist eine große Chance für DLBCL-Patienten. Ihr Arzt kann somit für Sie den besten Antikörper auswählen.

Die Antikörpertherapie beim DLBCL kann entweder als langsame Infusion (zwei bis sechs Stunden)  oder mittels einer Spritze (circa fünf Minuten) unmittelbar in das Unterhautfettgewebe des Bauches gegeben werden. Die Antikörpertherapie läuft in der Regel als Intervallbehandlung ab, das heißt die Gesamtbehandlung setzt sich aus mehreren Einzelbehandlungen, den sogenannten Zyklen zusammen. Diese werden in bestimmten zeitlichen Abständen, in verschiedenen Formen gegeben. Diese Therapie beim DLBCL erfordert in der Regel keinen stationären Aufenthalt.

Bei der Antikörpertherapie kommen verschiedene Darreichungsformen zum Einsatz. Diese richten sich nach dem Wirkstoff und den Bedürfnissen des Patienten. Es gibt Antikörper, die als Infusion verabreicht werden und solche, die unter die Haut, also subkutan, gespritzt werden. Jede dieser Anwendungsmöglichkeiten hat verschiedene Vor- und Nachteile.

SUBKUTANE GABE (SC)   

  • Dauer: ca. 5 Minuten

INFUSION IN DIE VENE (IV)

  • Dauer: 2 – 6 Stunden

Bei einer Infusion erhält der Patient den Wirkstoff über einen längeren Zeitraum hinweg in eine Vene (intravenös). Während einer Infusion tropft der Wirkstoff aus dem Infusionsbeutel über einen Schlauch in den Körper. Von diesem Vorgang kommt auch der Name: Infusion von lateinisch „infundere“ für „eingießen, einschütten“. Die Infusion der Antikörpertherapie dauert zwischen 2 bis 6 Stunden. Bei einer Subkutanen Gabe spritzt man der Arzt den Wirkstoff in die obere Hautschicht. Dieser Vorgang nimmt etwa fünf Minuten in Anspruch.

 

In diesem Clip erfahren Sie, wie Hans-Dieter R. mit der Antikörpertherapie umgegangen ist 

Wie ist die Verträglichkeit der Antikörpertherapie beim DLBCL

Die Antikörpertherapie wird von DLBCL-Patienten in der Regel gut vertragen. Wie bei allen Arzneimitteln kann auch diese Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem auftreten müssen. Eine der häufigsten Nebenwirkungen ist die infusionsassoziierte Reaktion (IRR), die während oder innerhalb von 24 Stunden nach der Infusion auftreten kann. Symptome dafür sind beispielsweise Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit, Schwäche, Kopfschmerzen, Durchfall und Atembeschwerden. Bei den Folgebehandlungen gehen diese jedoch deutlich zurück.

Nebenwirkung der Antikörpertherapie beim DLBCL

Bei einer Antikörpertherapie ist mit anderen Nebenwirkungen als bei einer Chemotherapie zu rechnen. Im Vordergrund stehen dabei Nebenwirkungen wie sie auch im Verlauf eines grippalen Infektes auftreten.

Weitere Nebenwirkungen, die sich gezeigt haben, gehen zum Beispiel von einer Blutbildveränderung aus. Dazu kann es zu viralen oder bakteriellen Infektionen, verstärkter Blutungsneigung, Abgeschlagenheit und Müdigkeit kommen.

Hier wurden die häufigsten und typischen Nebenwirkungen der Antikörpertherapie beim DLBCL aufgeführt. Die Zusammenstellung ist nicht vollständig. Bitte informieren Sie sich zu Risiken und Nebenwirkungen in der Gebrauchsanwendung (Packungsbeilage) des jeweiligen Medikaments und fragen Sie Ihren Arzt und Apotheker.

Was muss ich beachten, wenn Nebenwirkungen auftreten?

Melden Sie alle Nebenwirkungen oder Veränderungen Ihres Körpers ohne Verzögerungen Ihrem Arzt. 

Seit 2013 gibt es in allen EU-Ländern für Medikamente, die einer besonderen Überwachung bedürfen, ein Kennzeichnung mit einem schwarzen Dreieck.

Vielleicht haben Sie dieses umgekehrte schwarze Dreieck auf einigen Ihrer Patientenbroschüren oder Gebrauchsinformation entdeckt. 

 „Dieses Arzneimittel unterliegt einer zusätzlichen Überwachung."

Das BfArM führt hierzu aus: „Unter zusätzlicher Überwachung stehen Arzneimittel in der Regel dann, wenn zu ihnen weniger Informationen als zu anderen Arzneimitteln zur Verfügung stehen. Gründe dafür können sein, dass das Mittel neu auf dem Markt ist oder nur unzureichende Daten zu seiner Langzeitanwendung vorliegen. Das schwarze Dreieck zeigt an, dass dieses Mittel noch strenger überwacht wird als andere Arzneimittel. Es bedeutet aber nicht, dass das Arzneimittel nicht sicher ist.

Das schwarze Dreieck fordert Patientinnen und Patienten in besonderem Maße dazu auf, jeden Verdacht auf eine eventuelle Nebenwirkung beim Gebrauch des Arzneimittels zu melden. Sie können sich dazu an ihre Ärztin oder ihren Arzt wenden. Patientinnen und Patienten können Nebenwirkungen aber auch jederzeit an die zuständige Behörde (BfArM oder Paul-Ehrlich-Institut) melden.“1

1http://bit.ly/bfarm_Schwarzes_Dreieck

Es gibt Antikörper, die den gleichen Wirkstoffnamen jedoch anderen Handelsnamen tragen. (Originalpräparate und beispielsweise biosimilare Antikörper*)

Für Sie als Patient ist es wichtig, dass auftretende Nebenwirkungen eindeutig dem Medikament zuordenbar sind, welches Sie erhalten. Denn nur wenn diese Voraussetzung erfüllt ist, können Therapien patientenindividuell angepasst, Haftungsfälle geklärt und dem richtigen pharmazeutischen Hersteller zugeordnet werden. Dies hat auch der Gesetzgeber erkannt und eine Neuregelung geschaffen, welche beispielsweise das BfArM verpflichtet, Nebenwirkungen unter Nennung des Handelsnamens zu dokumentieren. Deshalb sollten auch Sie den Handelsnamen Ihres Medikamentes kennen. 

*Biosimilare Antikörper sind (biologisch hergestellte) Nachahmerprodukte, für die eine ähnliche Sicherheit und Wirksamkeit zu einem Original-Antikörper im Rahmen eines von der EMA (European Medicines Agency) definierten und speziell dafür bestimmten Zulassungsverfahren nachgewiesen wurde. Biosimilare und Originalpräparate liegen einem unterschiedlichen Herstellungsprozess zugrunde, der dazu führt, dass die Wirkstoffe biologisch ähnlich aber nicht identisch sind. Daher werden biosimilare Antikörper wie neue Arzneimittel behandelt und unterliegen ebenfalls einer zusätzlichen Überwachung (siehe oben, „schwarzes Dreieck“).

Was geschieht bei einer Chemotherapie im Falle eines DLBCL?

Die Chemotherapie ist die bekannteste Therapieform bei Krebs-Behandlungen. Das Prinzip einer Chemotherapie ist es, mittels der medikamentösen Gabe sogenannter Zytostatika die Krebszellen in ihrem Wachstum zu hindern. Diese Zytostatika schädigen direkt die Tumorzellen oder hemmen ihre unkontrollierte Vermehrung. Es gibt verschiedene Zytostatika. Bei einer Chemotherapie  kann je nach Stadium des DLBCL ein einziges oder eine Kombination aus mehreren verschiedenen zum Einsatz kommen. Eine Chemotherapie wirkt auf den ganzen Körper, also nicht nur auf die großen sichtbaren Tumore, sondern auch auf die vereinzelt im Körper zirkulierenden Tumorzellen. 

Chemotherapie beim DLBCL

Eine Chemotherapie ist eine medikamentöse Therapie, mit deren Hilfe die krankheitsverursachenden Zellen an ihrer Teilung gehindert und zum Absterben gebracht werden.

Eine Chemotherapie beim DLBCL findet im Rahmen einer sogenannten Intervallbehandlung statt.  Je nachdem, welches Zytostatikum für Ihre Behandlung in Frage kommt, können Sie dieses in verschiedenen Darreichungsformen (Infusion, Port, Tablette, Spritze) erhalten. Die Behandlung erfordert in der Regel keinen stationären Aufenthalt.

Erfahren Sie hier, welche Erwartungen Hans-Dieter R. an die Chemotherapie hatte

Wie ist die Verträglichkeit der Chemo beim DLBCL

Für die meisten Menschen ist der Begriff Chemotherapie auch mit Ängsten vor möglichen Nebenwirkungen verbunden. Tatsächlich kann eine Chemotherapie einige unerwünschte Folgen haben – in der Regel lassen sich diese aber durch Gegenmaßnahmen gut kontrollieren bzw. viele entwickeln sich nach Therapieabschluss automatisch zurück. Haarausfall, die Nebenwirkung, die sicherlich am häufigsten mit der Chemotherapie in Verbindung gebracht wird, geht z. B. nach Abschluss der Therapie fast immer zurück.

Nebenwirkung der Chemo beim DLBCL

Durch eine Chemotherapie werden nicht nur Tumorzellen abgetötet, sondern es können auch gesunde Zellen angegriffen werden. Für die meisten Nebenwirkungen gibt es aber wirkungsvolle Gegenmaßnahmen. Viele Nebenwirkungen bilden sich auch von alleine zurück.

Die in der Chemotherapie eingesetzten Medikamente greifen Zellen an, die besonders teilungsaktiv sind. Dadurch werden nicht nur Tumorzellen abgetötet, sondern auch gesunde Körperzellen in Mitleidenschaft gezogen. Daraus resultierende Nebenwirkungen betreffen vor allem die Schleimhäute in Mund und Darm, die Haarwurzeln sowie die blutbildenden Zellen des Knochenmarks. Dadurch kann es zu entsprechenden Nebenwirkungen kommen:

Folgen sind: Übelkeit und Durchfall

Diese kann durch entsprechende Zusatzmedikamente (=Antiemetika, Arzneimittel gegen Übelkeit und Erbrechen) erheblich abgeschwächt werden.

Folge ist: Haarausfall

Der eingetretene Haarausfall bildet sich nach Abschluss der Therapie fast immer zurück.

 

Folgen sind: Infekte, Fieber, allgemeine Schwäche, Kurzatmigkeit, Störungen der Blutgerinnung, Blutungen.

Diese Nebenwirkungen sind vorübergehend und treten meist nicht sofort auf, sondern mit einer Verzögerung von Stunden bis Tagen nach der Chemotherapie.

 

Folgen sind: Schmerzen und Gefühlsstörungen (Kribbeln, Pelziggefühl) an Händen und Füßen.

Meist entwickelt sich die Gefühlsstörung zurück, jedoch gab es einige Fälle, bei denen diese Polyneuropathie länger anhielt.

 

Es ist möglich, dass eine Chemotherapie die Keimzellen (Ei- und Samenzellen) beeinträchtigt. Deshalb sollten während der Therapie empfängnisverhütende Maßnahmen genutzt werden, um eine mögliche Schwangerschaft zu verhindern. Bitte klären Sie mit Ihrem Arzt, wie lange dies auf Grund der Chemotherapie notwendig ist. Im Falle eines Kinderwunsches ist es empfehlenswert Ihren Arzt zu fragen, ob die Therapie möglicherweise zur Zeugungsunfähigkeit führen kann. Ihr Arzt wird dann mit Ihnen besprechen, ob und wie man entsprechende Vorsorgen treffen kann: Es ist zum Beispiel möglich, vor der Chemotherapie Spermien oder Eizellen einzufrieren.

Hier wurden die häufigsten und typischen Nebenwirkungen der Chemotherapie beim DLBCL aufgeführt. Die Zusammenstellung ist nicht vollständig. Bitte informieren Sie sich zu Risiken und Nebenwirkungen in der Gebrauchsanwendung (Packungsbeilage) des jeweiligen Medikaments und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

Hans-Dieter R. beschreibt hier, wie er die Nebenwirkungen der Chemotherapie erlebt hat

Information für das Arztgespräch

Mit dieser Checkliste sowie diesem Informationsblatt können Sie sich gut auf das Arztgespräch vorbereiten:

Checkliste Therapieentscheidung DLBCL

Vorbereitung für das Arztgespräch

Gut sortiert zum Arzt

Im kostenlosen  Informationsordner für Lymphom-Patienten können Sie unter anderem Ihre persönlichen Arzt-Unterlagen einheften.

Noch mehr Informationen

Erfahren Sie hier alles rund um weitere Therapieoptionen beim diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom (DLBCL)