Die Therapie bei einer CLL

Die Therapie der CLL befindet sich zurzeit in einem Wandel. Immer neue Therapiemethoden ermöglichen eine immer bessere Bekämpfung des Krebs und somit vielen CLL-Patienten über Jahre hinweg ein beschwerdefreies Leben.

In den Binet-Stadien A und B – wenn keine weiteren Kriterien für eine Therapiepflichtigkeit vorhanden sind – überwacht der behandelnde Arzt normalerweise in regelmäßigen Verlaufskontrollen die Erkrankung. Es wird jedoch noch keine Therapie eingeleitet. Man bezeichnet dieses Vorgehen auch als „Watch & Wait“, also „Beobachten & Abwarten“. Erst wenn sich Symptome einstellen, die Erkrankung rasch fortschreitet oder wenn das Binet-Stadium C erreicht ist, sollte mit einer Behandlung begonnen werden.

In den letzten Jahren haben sich die Behandlungsmöglichkeiten bei einer CLL dank moderner Medikamente wesentlich verbessert. Welches Behandlungsschema gewählt wird, hängt von der körperlichen Verfassung jedes einzelnen Patienten, sowie von bestimmten Risikofaktoren ab.

Martin S. spricht in dem Video, wie er die Behandlung empfunden hat

Therapieoptionen bei einer CLL

Die Therapie einer Neuerkrankung erfolgt meist mit einer der beiden folgenden Optionen:

  • Immunchemotherapie: Abgeschlossene Therapie in etwa sechs Monaten
  • Signalwegehemmer: Dauertherapie bis zum Wiederauftreten der Symptome

Weitere Therapieoptionen:

  • Alleinige Chemotherapie
  • Alleinige Antikörpertherapie
  • BCL-2-Hemmer
  • Kombination der Antikörpertherapie mit einem BCL-2-Hemmer
  • Allogene Stammzelltransplantation

Immunchemotherapie bei einer CLL

Die Kombination der Antikörpertherapie mit einer Chemotherapie wird auch als Immunchemotherapie bezeichnet. Durch die beiden Therapieformen wird der Krebs aus unterschiedlichen Richtungen angegriffen und meist besonders effektiv bekämpft. Der Arzt kann dafür verschiedene Medikamente kombinieren und so die Behandlung individuell auf den Patienten abstimmen. Genauere Informationen zu den beiden Therapieformen finden Sie in den Abschnitten Chemotherapie und Antikörpertherapie.

Die Immunchemotherapie läuft in der Regel als Intervallbehandlung ab, das heißt die Gesamtbehandlung setzt sich aus mehreren Einzelbehandlungen, den sogenannten Zyklen zusammen, welche in der Regel nach sechs Monaten abgeschlossen ist.

Nebenwirkungen der Antikörpertherapie bei einer CLL

Bei einer Antikörpertherapie ist mit anderen Nebenwirkungen als bei einer Chemotherapie zu rechnen. Im Vordergrund stehen dabei Nebenwirkungen, die durch ein überaktiviertes Immunsystem entstehen können, wie zum Beispiel Fieber. Informieren Sie Ihren Arzt, wenn Sie gesundheitliche Veränderungen bemerken oder es Ihnen nicht gut geht.

Die Immunchemotherapie ist eine Therapieoption für fitte (guter Allgemeinzustand: normale Nierenfunktion und keine Komorbiditäten) und unfitte (reduzierter Allgemeinzustand: eingeschränkte Nierenfunktion und /oder erhöhte Komorbiditäten) Patienten. Für Patienten mit einem schlechten Allgemeinzustand ist sie jedoch nicht geeignet, genauso wenig wie für Patienten mit bestimmten genetischen Veränderungen (del(17p13) oder TP53 Mutation). Eine Ausnahme bilden hier Patienten, die eine genetische Veränderung haben, aber nicht für andere Therapien geeignet sind. Dann ist die Immunchemotherapie mit Beachtung des Nebenwirkungsprofils eine alternative zur reinen Chemotherapie.

Da die Immunchemotherapie aus einer Antikörpertherapie und einer Chemotherapie besteht, können die Nebenwirkungen beider Substanzen auftreten. Nähere Informationen finden Sie in den Punkten Antikörpertherapie und Chemotherapie. Welche Nebenwirkungen bei Ihnen auftreten, hängt von den verabreichten Medikamenten ab. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber, was Ihnen wichtig ist.

Chemotherapie bei einer CLL

Die Chemotherapie ist die bekannteste Therapieform bei Krebserkrankungen. Hierbei verhindern sogenannte Zytostatika das unkontrollierte Wachstum der Krebszellen und töten sie ab. Es gibt verschiedene Zytostatika mit unterschiedlichen Wirkweisen. Abhängig vom Stadium der Krankheit kann ein einzelnes Präparat oder eine Kombination zum Einsatz kommen. Sie wirken auf den ganzen Körper, also nicht nur auf Tumoren, sondern auch auf die vereinzelt im Körper zirkulierenden Tumorzellen.

Eine Chemotherapie bei einer CLL findet im Rahmen einer Intervallbehandlung statt. Je nachdem, welches Zytostatikum für Ihre Behandlung infrage kommt, können Sie dieses in verschiedenen Verabreichungsformen (Infusion, Tablette, Spritze) erhalten. Diese Behandlung erfordert in der Regel keinen stationären Aufenthalt in einem Krankenhaus.

Chemotherapie bei einer CLL

Eine Chemotherapie ist eine medikamentöse Therapie, mit deren Hilfe die Krebszellen an ihrer Teilung gehindert und zum Absterben gebracht werden können.

Eine Chemotherapie kann unerwünschte Folgen haben – in der Regel lassen sich diese aber durch Gegenmaßnahmen gut kontrollieren, beziehungsweise viele entwickeln sich nach Therapieabschluss automatisch zurück.

Die in der Chemotherapie eingesetzten Medikamente greifen Zellen an, die besonders teilungsaktiv sind. Dadurch werden nicht nur Tumorzellen abgetötet, sondern auch gesunde Körperzellen in Mitleidenschaft gezogen. Die resultierenden Nebenwirkungen betreffen vor allem die Schleimhäute in Mund und Magen-Darm-Trakt, die Haarwurzeln sowie die blutbildenden Zellen im Knochenmark.

Dadurch kann es zu entsprechenden Nebenwirkungen kommen:

  • An den Schleimhäuten in Mund und Darm

Folgen sind: Übelkeit und Durchfall

Dies kann durch entsprechende Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen erheblich abgeschwächt werden. Sprechen Sie Ihren Arzt vor Beginn der Therapie darauf an.

  • An den blutbildenden Zellen des Knochenmarks

Folgen sind: Infekte, Fieber, allgemeine Schwäche, Kurzatmigkeit, Störungen der Blutgerinnung, Blutungen

Diese Nebenwirkungen sind vorübergehend und treten meist nicht sofort auf, sondern mit einer Verzögerung von Stunden bis Tagen nach der Verabreichung der Chemotherapie.

  • Polyneuropathie (Erkrankung peripherer Nerven)

Folgen sind: Schmerzen und Gefühlsstörungen (Kribbeln, pelziges Gefühl) an Händen und Füßen

Meist entwickelt sich die Gefühlsstörung zurück, die Nerven können jedoch auch dauerhaft geschädigt werden.

Es ist möglich, dass eine Chemotherapie die Keimzellen (Ei- und Samenzellen) schädigt. Deshalb müssen Sie während der Therapie empfängnisverhütende Maßnahmen verwenden, um eine Schwangerschaft zu verhindern. Bitte klären Sie mit Ihrem Arzt, wie lange dies auf Grund der Chemotherapie notwendig ist. Im Falle eines Kinderwunsches sollten Sie Ihren Arzt fragen, ob die Therapie zu Unfruchtbarkeit führen kann und welche Vorsorgemöglichkeiten Sie treffen können. Es ist zum Beispiel möglich, vor der Chemotherapie Spermien oder Eizellen einzufrieren.

Hier sind die häufigsten und typischen Nebenwirkungen der Chemotherapie bei CLL aufgeführt. Die Zusammenstellung ist nicht vollständig. Bitte informieren Sie sich zu Risiken und Nebenwirkungen bei Ihrem Arzt.

Antikörpertherapie bei einer CLL

Eine Antikörpertherapie wirkt überwiegend durch die Aktivierung des körpereigenen Immunsystems. Sie unterscheidet sich in ihrer Wirkungsweise damit grundlegend von der Chemotherapie.

Das Prinzip der Antikörpertherapie beruht auf der gezielten Erkennung und Vernichtung von Krebszellen. Die Erkennung erfolgt über das Oberflächenmerkmal CD20, das nur bei B-Lymphozyten in diesem Entwicklungsstadium zu finden ist.

Stand der Medizin

Durch die heute verfügbaren Behandlungsmethoden ist die Medizin in der Lage, viele Krebserkrankungen erfolgreich zurückzudrängen. Das CLL lässt sich in den meisten Fällen sehr gut kontrollieren, aber nur selten kommt es zu einer Heilung.

Die verabreichten anti-CD20 Antikörper sind spezielle Eiweiße, die diese CD20-Oberflächenstruktur auf den Krebszellen erkennen und an diese andocken. Durch das Andocken geschehen zwei Dinge: Die körpereigene Abwehr wird aktiviert, um die Krebszellen abzutöten und der Antikörper selbst hat eine direkte, abtötende Wirkung auf die Krebszelle.

Bei einer CLL stehen verschiedene Präparate für die Antikörpertherapie zur Verfügung. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Therapie für Sie geeignet ist.

Antikörper

Antikörper erkennen Krebszellen und lösen im Körper Mechanismen aus, die das Immunsystem stimulieren, um kranke Zellen abzutöten. Durch die Antikörpertherapie wurden in den letzten Jahren enorme Fortschritte in der Behandlung der CLL gemacht.

B-Lymphozyten haben auf ihrer Oberfläche das Oberflächenprotein CD20. An dieses Protein bindet der Antikörper (a). Das Immunsystem erkennt das noch freie Ende des Antikörpers (b) und zerstört so die markierten Tumorzellen.

Eine Antikörpertherapie läuft in der Regel als Intervallbehandlung ab. Die verschiedenen Einzelbehandlungen, die sogenannten Zyklen, werden in bestimmten zeitlichen Abständen wiederholt. In der Regel ist kein stationärer Aufenthalt erforderlich. Bei einer CLL bekommen Sie die Therapie über eine Infusion in eine Vene (intravenös) verabreicht. Dies dauert etwa zwei bis sechs Stunden.

Tipp

Während einer Infusion tropft der Wirkstoff aus dem Infusionsbeutel in einen Schlauch und gelangt über einen Zugang in Ihren Körper. Hierbei ist es hilfreich, wenn Sie sich für die Zeit ein Buch, eine Zeitschrift oder Ihre Lieblingsmusik mitbringen. Tragen Sie außerdem Kleidung, die einen einfachen Zugang zu Ihrer Vene oder zu Ihrem Port ermöglicht.

Die Tatsache, dass es verschiedene Antikörperpräparate gibt, die bei unterschiedlichen Lymphomen unterschiedlich gut wirken, ist eine große Chance für CLL-Patienten. Ihr Arzt kann somit bei Bedarf die für Sie am besten geeignete Antikörpertherapie auswählen.

Die Antikörpertherapie wird von CLL-Patienten in der Regel gut vertragen. Wie bei allen Arzneimitteln kann auch diese Therapie mit Nebenwirkungen verbunden sein, die aber nicht bei jedem auftreten müssen. Eine der häufigsten Nebenwirkungen ist die infusionsassoziierte Reaktion (IRR), die während oder innerhalb von 24 Stunden nach der Infusion auftreten kann. Typische Symptome sind beispielsweise Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit, Schwäche, Kopfschmerzen, Durchfall und Atembeschwerden. Verzögerte IRR können auch bis zu sechs Monate nach der Behandlung auftreten. Bei den Folgebehandlungen gehen diese jedoch meist deutlich zurück. Weitere Nebenwirkungen, die sich gezeigt haben, sind die Folgen von Blutbildveränderungen. Dadurch kann es vermehrt zu viralen oder bakteriellen Infektionen, verstärkter Blutungsneigung, Abgeschlagenheit und Müdigkeit kommen.

Hier sind die häufigsten und typischen Nebenwirkungen der Antikörpertherapie bei einer CLL aufgeführt. Die Zusammenstellung ist jedoch nicht vollständig. Bitte informieren Sie sich zu Risiken und Nebenwirkungen bei Ihrem Arzt.

Nebenwirkungen der Antikörpertherapie bei einer CLL


Bei einer Antikörpertherapie ist mit anderen Nebenwirkungen als bei einer Chemotherapie zu rechnen. Im Vordergrund stehen dabei Nebenwirkungen, die durch ein überaktiviertes Immunsystem entstehen können, wie zum Beispiel Fieber. Informieren Sie Ihren Arzt, wenn Sie gesundheitliche Veränderungen bemerken oder es Ihnen nicht gut geht.

Melden Sie alle Nebenwirkungen oder Veränderungen Ihres Gesundheitszustands ohne Verzögerungen Ihrem Arzt. Seit 2013 gibt es in allen EU-Ländern für Medikamente, die einer besonderen Überwachung bedürfen, ein Kennzeichnung mit einem schwarzen Dreieck. Vielleicht haben Sie dieses umgekehrte schwarze Dreieck auf einigen Ihrer Patientenbroschüren oder Gebrauchsinformationen entdeckt.

▼ „Dieses Arzneimittel unterliegt einer zusätzlichen Überwachung."

Das BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) führt hierzu aus: „Unter zusätzlicher Überwachung stehen Arzneimittel in der Regel dann, wenn zu ihnen weniger Informationen als zu anderen Arzneimitteln zur Verfügung stehen. Gründe dafür können sein, dass das Mittel neu auf dem Markt ist oder nur unzureichende Daten zu seiner Langzeitanwendung vorliegen. Das schwarze Dreieck zeigt an, dass dieses Mittel noch strenger überwacht wird als andere Arzneimittel. Es bedeutet aber nicht, dass das Arzneimittel nicht sicher ist.
Das schwarze Dreieck fordert Patientinnen und Patienten in besonderem Maße dazu auf, jeden Verdacht auf eine eventuelle Nebenwirkung beim Gebrauch des Arzneimittels zu melden. Sie können sich dazu an ihre Ärztin oder ihren Arzt wenden. Patientinnen und Patienten können Nebenwirkungen aber auch jederzeit an die zuständige Behörde (BfArM oder Paul-Ehrlich-Institut) melden."

Es gibt Antikörper, die den gleichen Wirkstoffnamen jedoch anderen Handelsnamen tragen. (Originalpräparate und biosimilare Antikörper*)

Für Sie als Patient ist es wichtig, dass auftretende Nebenwirkungen eindeutig Ihrem Medikament zugeordnet werden können. Denn nur dann können Therapien patientenindividuell angepasst, Haftungsfälle geklärt und dem richtigen pharmazeutischen Hersteller zugeordnet werden. Mittlerweile ist das BfArM verpflichtet, Nebenwirkungen unter Nennung des Handelsnamens zu dokumentieren. Deshalb sollten auch Sie den Handelsnamen Ihres Medikamentes kennen.

*Biosimilare Antikörper sind (biologisch hergestellte) Nachahmerprodukte, für die eine vergleichbare Sicherheit und Wirksamkeit zu einem Original-Antikörperpräparat im Rahmen eines von der EMA (European Medicines Agency) definierten Zulassungsverfahren nachgewiesen wurde. Die Herstellungsprozesse von biosimilaren und Originalpräparaten sind unterschiedlich, weswegen die Wirkstoffe ähnlich, aber nicht identisch sind. Daher werden biosimilare Antikörper wie neue Arzneimittel behandelt und unterliegen ebenfalls einer zusätzlichen Überwachung („schwarzes Dreieck“).

Signalwegehemmer bei einer CLL

Signalwegehemmer, genauer gesagt Kinasehemmer, sind chemisch hergestellte Arzneistoffe, die die Signalübertragung innerhalb der krankhaft veränderten B-Lymphozyten blockieren. Das hemmt das Wachstum und Überleben der Krebszellen. Diese Therapieoption ist für fitte und unfitte Patienten sowie für Patienten mit einer genetische Veränderungen (del(17p) oder TP 53 Mutationen) geeignet.

Die Signalwegehemmer können allein oder in Kombination mit einer Antikörpertherapie gegeben werden.

Ziel der Therapie mit Signalwegehemmern ist es, die CLL so weit zurückzudrängen, dass die Symptome nicht mehr auftreten. Das Fortschreiten der Erkrankung kann so verlangsamt werden. Allerdings müssen die Tabletten dauerhaft eingenommen werden. Die Behandlung kann solange erfolgen, bis erneut Erkrankungssymptome auftreten oder sie aufgrund von Nebenwirkungen nicht fortgeführt werden kann. In diesen Fällen entscheidet der behandelnde Arzt über den weiteren Therapieverlauf.

Bei der Therapie mit Signalwegehemmern kann es wie jedem Medikament zu Nebenwirkungen kommen. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören:

  • Infektionen der Lunge, der oberen Atemwege und der Haut
  • Fieber
  • Niedrige Anzahl weißer Blutzellen zusammen mit Fieber (febrile Neutropenie)
  • Blutungen und Blutergüsse
  • Durchfall oder Verstopfung
  • Leberfunktionsstörungen

Hier sind einige der häufigsten Nebenwirkungen bei der Therapie mit Signalwegehemmern aufgeführt. Die Zusammenstellung ist nicht vollständig. Bitte informieren Sie sich zu Risiken und Nebenwirkungen bei Ihrem Arzt.

Der Abbau und die Ausscheidung der Signalwegehemmer kann durch die gleichzeitige Gabe anderer Arzneimittel und Lebensmittel beeinflusst werden. Daher ist es sehr wichtig, dass Sie Ihrem behandelnden Arzt eine vollständige Liste der Arzneimittel, die Sie regelmäßig oder nach Bedarf einnehmen, zur Verfügung stellen. Während der Behandlung dürfen Sie keine Lebensmittel mit Grapefruit oder Bitterorange zu sich nehmen.

BCL-2-Hemmer bei einer CLL

Eine weitere Therapieoption sind Medikamente, die ein bestimmtes Regulatorprotein (BCL-2) blockieren, welches den programmierten Zelltod (Apoptose) in Krebszellen verhindert und ihnen somit hilft zu überleben. Ist dieses Protein blockiert, sterben die Krebszellen ab und die Erkrankung lässt sich verlangsamen. Diese Medikamente werden BCL-2-Hemmer genannt.

Diese Therapieform eignet sich für folgende Patienten:

  • Patienten mit einer del(17p13) oder TP53 Mutation, die für eine Behandlung mit einem Signalwegehemmer nicht infrage kommen oder bereits ein Therapieversagen zeigten.
  • Patienten ohne diese genetischen Veränderungen, bei denen sowohl eine Immunchemotherapie als auch Signalwegehemmer nicht erfolgreich waren.

Die BCL-2-Hemmer werden zusammen mit einer Antikörpertherapie verabreicht.

Während der Behandlung mit BCL-2-Hemmern kann es zu einer verminderten Zahl an Blutzellen, Magen-Darm-Beschwerden und Müdigkeit kommen. Durch den schnellen Abbau der Krebszellen kann es bei einigen Patienten zu einem sogenannten Tumorlysesyndrom kommen. Das Risiko hierfür ist in den ersten fünf Wochen der Behandlung am höchsten. Daher sollte in dieser Zeit besonders auf Symptome wie Fieber, Kurzatmigkeit, sowie dunkler und trüber Urin geachtet werden. Das Risiko hierfür kann durch eine möglichst hohe Trinkmenge von 1,5 bis 2 Liter pro Tag gesenkt werden.

Die häufigsten Nebenwirkungen der Kombination von BCL-2-Hemmern und einer Antikörpertherapie umfassen einen Mangel an bestimmten weißen Blutkörperchen (Neutropenie), Durchfall und Infektionen der oberen Atemwege.

Allogene Stammzelltransplantation bei einer CLL

Spricht die CLL nicht auf die bisher genannten Behandlungen an oder kommt es frühzeitig zu einem Rückfall (Rezidiv) kann eine allogene Stammzelltransplantation in Betracht gezogen werden. Sie kann auch bei bestimmten genetischen Veränderungen infrage kommen und ist die einzige kurative Therapie bei einer CLL.

Allogen bedeutet, dass die Blutstammzellen oder das Knochenmark von einem Familien- oder Fremdspender stammen. Die Gewebemerkmale des Spenders müssen mit denen des Empfängers zu einem möglichst hohen Prozentsatz übereinstimmen, damit es nicht zu Abwehrreaktionen kommt. Nahe Verwandte sind daher öfters geeignete Spender. Noch vor der Stammzelltransplantation erhalten Sie eine Hochdosistherapie. Diese soll alle Krebszellen vernichten und zerstört dabei Ihr Immunsystem und alle blutbildenden Zellen. Die Stammzellen des Spenders siedeln sich im Idealfall in Ihrem Knochenmark an und produzieren dort neue und gesunde Blutzellen sowie Immunzellen.

Neben einem neuen blutbildenden System erhalten Sie als Empfänger so auch ein neues Immunsystem, da sich aus den Blutstammzellen auch Immunzellen entwickeln. Dies unterstützt unter Umständen nochmal dabei, restliche Krebszellen im Körper zu identifizieren und zu bekämpfen. In seltenen Fällen kommt es so zu einer Heilung der Krankheit, meist wird jedoch die Erkrankung nur unter Kontrolle gehalten.

Bei der allogenen Stammzelltransplantation gibt es spezielle Risiken. Zum einen ist die Infektionsgefahr deutlich erhöht, weshalb in den ersten Wochen das Ansteckungsrisiko so gering wie möglich gehalten werden muss. Zum anderen kann es vorkommen, dass die transplantierten Stammzellen nicht vom Körper des Empfängers angenommen werden.

Es kann auch dazu kommen, dass sich die fremden Immunzellen gegen den Empfänger richten und eine sogenannten Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion (englisch: Graft-versus-Host-Disease) auslösen. Daher werden Patienten nach einer Stammzelltransplantation sorgfältig im Krankenhaus überwacht. Um unerwünschte Immunreaktionen zu verhindern, werden Medikamente eingesetzt, die die Aktivität des Immunsystems senken.

Diese Risiken, die durchaus lebensbedrohlich sein können, werden vorher in persönlichen Gesprächen mit Ihrem Arzt besprochen und dann gemeinsam entschieden, ob eine allogene Stammzelltherapie für Sie infrage kommt.

Risiken der Stammzelltransplantation

Die Stammzelltransplantation ist für die Patienten belastend und mit gewissen Risiken verbunden. Deshalb wird das Verfahren vor allem bei Patienten angewandt, die sich in einem möglichst guten Allgemeinzustand befinden.

Um Abstoßungsreaktionen Ihres neuen Immunsystems gegen ihren Körper zu vermeiden, unterdrücken bestimmte Medikamente das Immunsystem nach der Transplantation. Dadurch sind Sie sehr anfällig für Infektionen und Ihr Immunsystem ist für ungefähr ein Jahr außer Kraft gesetzt. Da auch das Blutsystem betroffen ist, können Sie zu Beginn unter einer Aplasie (Blutzellmangel) leiden. Während rote Blutkörperchen und Thrombozyten per Infusion verabreicht werden können, dauert es etwa zehn bis 20 Tage bis sich die ersten weißen Blutkörperchen neu gebildet haben.

Die möglichen Spätfolgen einer Stammzelltherapie sind meist die Auswirkungen der vorangehenden Chemo- oder Strahlentherapie. Dazu gehören Unfruchtbarkeit, verfrühte Wechseljahre bei Frauen oder der Graue Star. Manchmal treten auch Zweittumoren auf. Viele der Spätfolgen sind jedoch behandelbar.

Auch wenn die Nebenwirkungen und Spätfolgen einer Stammzelltherapie abschreckend erscheinen, ist diese Behandlungsmethode oft die einzige Chance auf eine wirkliche Heilung der Erkrankung.

Alternative und komplementäre Therapieoptionen bei einer CLL

Es gibt eine breite Palette von Angeboten, die eine „Heilung“ oder „Verbesserung“ von Krebserkrankungen versprechen. Dabei sollten Sie beachten, dass die alternativen Behandlungsmethoden oft viel Geld kosten und es keine wissenschaftlichen Nachweise dafür gibt, dass diese die CLL heilen oder zum Stillstand bringen können.

Auch bei Nahrungsergänzungsmitteln oder naturheilkundlichen Präparaten ist zu beachten, dass diese während einer Therapie dem Therapieerfolg entgegen wirken können, da die Substanzen die Wirksamkeit der Medikamente beeinflussen können. Auch Nahrungsergänzungsmittel und pflanzliche Präparate können zu Wechselwirkungen mit den Krebsmedikamenten führen.


Komplementäre Behandlungsmethoden ergänzen die Schulmedizin und verbessern das Wohlbefinden des Patienten und können Nebenwirkungen mildern. Dazu gehören zum Beispiel Bewegungsangebote und Ernährungstipps. Beraten Sie sich unbedingt mit Ihrem behandelnden Arzt, bevor sie begleitend eine Behandlung oder ein alternatives Therapieverfahren beginnen.

Wichtig ist, dass Sie sich bei Interesse an begleitenden Therapien bei Fachleuten beraten lassen. Informieren Sie auch Ihren behandelnden Onkologen immer über alle Präparate, die Sie einnehmen.

Informationen für das Arztgespräch

Im kostenlosen Informationsordner für CLL-Patienten, den Sie im Servicebereich finden, können Sie Ihre persönlichen Arzt-Unterlagen einheften. Zum Beispiel die Checkliste für die Therapieentscheidung oder für die Vorbereitung auf das Arztgespräch. Diese können Sie hier herunterladen und ausdrucken.

 

Checkliste Diagnose CLL

Vorbereitung für das Arztgespräch

Gut sortiert zum Arzt

Im kostenlosen Informationsordner für Lymphom-Patienten können Sie unter anderem Ihre persönlichen Arzt-Unterlagen einheften.

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